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Samstag, 16. April 2016

Vertrieben aus dem Nimmerland

Meine aktuellen Überlegungen zum Thema "erwachsen werden" und Resignation. Ein fiktiver Brief an J., der sich jedoch nicht an ihn richtet, sondern den Menschen, die mir jetzt nahe stehen, erklären soll, was in mir vorgeht.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Professionelle Distanz

Ich mag es, Patient*innen zu haben. Ich mag es umso mehr, sympathische Patient*innen zu haben. Und noch mehr, sympathische und intelligente (und oftmals gesitig frühreife) Patient*innen zu haben.

Wo es kippt, ist wenn ich Patient*innn behandeln soll, bei deren Problemen ich eigentlich nur trauig den Kopf schütteln und "Hast recht. Die Welt ist scheiße, ein Großteil der Menschen sind inolerant und oberflächlich und langweilig und dennoch ist man selbst genauso ein Mensch mit denselben Macken und nicht so hochgeistig, wie man es gerne wäre, und verspürt das Bedürfnis nach Gemeinschaft und einfach nur Anerkennung. Du hast es erfasst, viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen, man muss mit dieser Kränkung des eigenen Ego leben, die Zähne zusammenbeißen und fleißig weiterstapfen."

Das mag ich weniger. Das stürzt in Sinnkrisen.

Montag, 17. März 2014

To post or not to post?

Soll ich hier (wieder) den einen oder anderen pseudoliterarischen Gehversuch von mir reinpacken oder nicht?

Meinungen?

Nachtrag:  Die Frage war schon ernst gemeint. Kommentare mit euren Meinungen dazu (mit anderen Worten: wollt ihr den Scheiß lesen oder nicht? ^^) sind explizit erwünscht.

Montag, 24. Februar 2014

Pauschalpazifismus

"Wir lehnen jede Form der Gewalt kategorisch ab."
Diesen Satz hört und liest eins oft - bei der Auftaktansprache von Demos, im Selbstbild von Gruppierungen und Bewegungen, bei Statements zu umstrittenen Aktionen.
Und diesen Satz halte ich für eine komplette Lüge.

Erfrierungswunden

[wirrer Text zu meinen Eindrücken von Permafrost noch in der Mache; wird bald hier hochgestellt ist nun entstanden; erscheint mir ungelungen, wird aber der Vollständigkeit halber reingestellt: soll's auch eine Art Dokument des Scheiterns sein]

Der Welt ent-rückt. Ruckelndes Stakkato-Staunen, interpunktiert von Verloren-Sein. Neben sich stehen, inmitten von anderen.

Andere. Wer ist wer, hinter wem kann ich mich verstecken, wer kommt gleich auf mich zu. Mit einer Aufforderung, Ansprache, Sprache, Handlung. Blick. Wie viel ist Rolle, was ist Sein. Ontologische Überlegungen zur Reihenfolge von Rolle und Sein versinken in der Stille einer schmerzhaften Pause.
Will ich mich verstecken? Und hinter was - Menschen, Museumsmumienmöbeln, Masken? Alternative zum Verstecken ist die Reaktion. Reagieren regiert unser Handeln. Und Nichthandeln ist die schwierigste Reaktion, da ohne Aktion nur ein zitterndes Re übrigbleibt. Nicht-nicht-Kommunizieren. Halt die Fresse, Watzlawick!

Kristallines Panorama. Unpassende Puzzlestücke ergeben ein treffendes Bild. Eigene Zerrfratze im bewegten Spiegel. Ätzender Ekel lädt zum Sich-Auflösen ein. Wegsehen wollen stärkt nur die Präsenz der Bilder.

Surrealität im Hier und Jetzt. Das "Kann es sein?" ohfeigt mit einem "Ja". Wortbilder lachen dich für jeden Gedanken und jede Pose aus.
Ich glaube, ich schweige jetzt.

Sonntag, 9. Februar 2014

Permafrost

Gestern im Mannheimer zeitraumexit die Inszenierung "Permafrost" des Ensembles RAMPIG gesehen.

Bin so beeindruckt und weggeflasht, dass ich mal zwei Posts dazu gemacht habe:
Einmal der Versuch einer Rezension auf inhaltlicher Ebene und der Versuch eines Versuchs die Wirkung auf mich strukturiert und verständlich darzulegen: hier

Und einmal ein unstrukturiertes Drauf-Los-Geschreibe zu meinen Eindrücken von der Inszenierung insgesamt: hier

Mittwoch, 14. August 2013

Überwachung

So, so. Nur 4% aller Deutschen halten Überwachung für ein ernstzunehmendes Problem.

Zeit meine persönliche Ostblock-Story auszupacken.

Samstag, 3. August 2013

Slice of life

Ein wunderschöner Augustabend. Ich beschließe (nachdem ich wieder am Verzweifeln angesichts des Bergs an Organisationsaufwand für das halbe Auslandstertial war) eine gemütliche Runde mit den Inline-Skates nach Ladenburg und zurück zu drehen. Schön entlang des pittoresken Neckarufers. Wo ich aufgrund des schönen Wetters mitnichten alleine bin - immer mal wieder kommen mir Radfahrer, Jogger oder Spaziergänger aller Altersstufen und sozioökonomischen Schichten.

Gerade rolle ich also durch die Gemeinde Edingen-Neckarhausen, da kommt mir ein Mann entgegen. An sich auch erstmal nichts, was irgendwie meine Aufmerksamkeit erregt hätte, bloß fand ich es merkwürdig, dass er extrem schnell ging (schneller als alle Nordic Walker, denen ich so begegne), dabei aber nicht sportlich, sondern eher recht elegant mit einem langärmligen roten Hemd gekleidet war.
Denke mir nichts dabei, skate wie gehabt weiter. In ca. 300-400 Metern Abstand sehe ich eine (ebenfalls elegant gekleidete) Frau mit einem wie am Spieß schreienden Säugling auf dem Arm stehen, die, als ich mich ihr nähere, auf mich zu getrottet kommt und mich anfleht, ich möge doch den Mann einholen und ihm sagen, dass er zu ihr gehen soll. Als wir uns auf dem Gehweg begegnen, packt sie meinen Unterarm und schüttelt ihn, um ihrer Bitte Nachdruck zu verleihen. Ihre Stimme überschlägt sich und sie wirkt komplett panisch und aufgewühlt.
Ich überlege mir kurz, ob ich ihrer Bitte Folge leisten soll, drehe mich dann tatsächlich um und fahre dem Mann im roten Hemd hinterher. Er aber beschleunigt erst weiter das Tempo und geht in ein Rennen über, was dennoch nicht verhindert, dass ich anfange ihn einzuholen, und rennt dann über die kleine Wiese am Straßenrand und verschwindet in den Büschen direkt am Neckarufer. Ich beschließe, dass es keinen Sinn hat, die Skates auszuziehen und ihm zu folgen.
Drehe mich wieder um, fahre weiter in Richtung Ladenburg. Als ich an der Frau vorbeikomme, sitzt sie auf dem Boden und versucht das Kind zu beruhigen. Verneint die Frage, ob man ihr irgendwie helfen könnte.

Ich fuhr dementsprechend weiter. Aber die Frage drängt sich mir dann doch auf, von was für einem zwischenmenschlichen Drama ich da gerade Zeuge wurde. Und da wünsche ich mir, ich hätte keine Phantasie, die dafür sorgt, dass ich mir potenzielle Szenarien der bisherigen Ereignisse und dessen, was jetzt noch kommen mag, ausmale.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Facetten

"Plötzlich sind sie unangenehm berührt. [...] Denn ein Mensch darf schließlich nicht zeigen, daß er anders ist, als man von ihm annimmt. Sonst ist das Publikum, das jeder Mensch für sein Spiel hat, enttäuscht. Nicht weil das Spiel schlecht ist, sondern weil es ein neues Spiel ist. Ein Mensch, der gerade eben noch an unser Mitleid, an unsere Wehmut oder unsere Angst appeliert hat, darf doch nicht plötzlich auf die gleiche Art, auf die er gerade noch mit unserem Ernst experimentiert hat, mit unserer Freude experimentieren! Zu viel darf ein einzelner Mensch nicht in sich bergen. Sonst werden wir unsicher und die, deren wir unsicher sind, mögen wir nicht. Den Menschen aber, der alles in sich zu bergen scheint, diesen Menschen hassen wir, denn es ist gegen die Spielregeln, alles in sich zu bergen."

aus "Gebranntes Kind" von Stig Dagermann
[und ja, die Geisteswissenschaftler unter den Lesern dürfen mich für die scheußliche Zitierweise steinigen. Aber nur mit kleinen Steinen.]

Freitag, 24. Mai 2013

Fremdwahrnehmung

Kennt ihr das, wenn ihr über eine viel befahrene Straße rennt und hofft, dass ihr nicht von einem Auto angefahren werdet - nicht, weil ihr nicht schwer verletzt werden oder draufgehen möchtet, sondern weil es viel zu peinlich wäre, würden die Rettungssanitäter sehen, was ihr in eurer Tasche/Rucksack/usw. dabei habt?

Und ich meine damit nicht einmal irgendwelche pöhse Pornographie oder Drogen oder Waffen - ich denke da an die Kombi aus Tiefkühl-Pizza, einer Flasche Lidl-Wein und einem Laptop.

Montag, 22. April 2013

Sag's mit Max Frisch

"Ich bin nicht Stiller!"

Samstag, 13. April 2013

Leben

"Solltest du normal sein, so führst du irgendein unnatürliches Leben."

"Ich führe gar kein Leben. Ein Leben führen ist traurig; Arbeit, Zuhause, Arbeit, Grab. Ich lebe in der geschützten Welt meiner Träume. Und das Leben? Was soll denn mit dem Leben sein. So gesehen ist das Leben nur ein Fenster, zu dem ich hin und wieder mal rausblicke."

"Und was sieht man da so?"

"Ach, eigentlich nicht viel. Alles irgendwie sehr trüb."

(aus dem russischen Film "Assa", 1987)

Montag, 8. April 2013

Pseudoliterarische Ergüsse. Die dritte. Jetzt neu, mit Sonderzeichen


W-ort. W-ortwechsel. Wir(klich)?
Kon(tra)takt. Blick-Kippen-K(l)ippe.
Freie Fallen. Hä?Endedruck.
Ge(h!)danke. An.Aus.An.Aus.strecken.
Re-flexion (ungebeugt; beäugt?).
A[tem]po. Im-Puls.
Einöde, Zweiöde. All.ein.öde.
Viel?leicht? Weh-nicht.

Pseudoliterarische Ergüsse (wiederaufgewärmt)


Wie sind wir hergekommen,
den Weg bereits vorweggenommen,
uns verlaufen wollen in
einer Welt, die wir zu gut kennen.
Ungeschriebene Briefe zerrissen,
nie gekannte Menschen vermisst und
auf der Flucht vor dem nächsten Tag
die Uhr angestarrt.

Schwerelos ins Blaue gesprungen
in der Hoffnung auf Bewegung und Schwung,
doch erst ohne Schwingen lernt man
den Unterschied zwischen Fliegen und Schweben.

Die Realität als Konstrukt verlacht und
doch wieder auf der Suche nach einem Dach,
weil es sich auf verbrannter Erde zwar
gut tanzen, aber schlecht schlafen lässt.
Der Welt einen neuen Klang gegeben,
aus Wortwünschen gewoben im Rahmen des Lebens,
die Fäden in der Hand stehen wir nun gebannt
und suchen die passende Frage.

Underneath the veil

Zynismus ist ein zweischneidiges Schwert.
Er zerschlägt die Lächerlichkeit der eigenen Empfindungen, aber er verbrennt auch den Ansatzpunkt für die zwischenmenschliche Menschlichkeit.

Und nächtlicher Frühlingsregen auf der durchnässten Kapuze hört sich... tröstlich an.

Freitag, 29. März 2013

Dieses Geständnis war völlig bedeutungslos

Ich bilde mir großartig was darauf ein, unermüdlich und überzeugend und (so scheint es mir zumindest manchmal, auch wenn das wohl reine Hybris ist) originell das enfant terrible, den Nicht-Etablierten, den Rebellen, die Chaotin, die rastlose Seele, der Stagnation so gänzlich verhasst ist, abzugeben.
Mir auf Demos die Kehle heiser zu brüllen, mir auf Konzerten Schultern und Schienbeine wund pogen, nächtelang wach bleiben und viel zu viel trinken und rauchen und mich durch die leeren Straßen der Stadt zu treiben, Filme, Musik und Bücher mögen, die andere als verwirrend-abgefuckte Depri-Scheiße abtun, provokante Sachen, die mal die Grenzen des guten Geschmacks, mal die des Anstandes verletzen zu sagen, schreiben, machen. Es nie lange mit einem Hobby, einer Begeisterung, einem Freundeskreis auszuhalten.
Ja, das ist die gelebte Negation der Spießigkeit, der "Gartenzwerge im Vorgarten, Schaukel für die Kinder hinterm Ein-Familien-Haus"-Welt.

Und ich weiß, viele sehen mein Gehabe nur als Show und mich als das Mittelschichtskind, das am Wochenende den Punk und an Abenden den abgedrehten Intellektuellen mimt, um die eigene Spießigkeit, das eigene Sicherheitsbedürfnis zu überspielen.

Die Wirklichkeit sieht aber noch erbärmlicher aus.
Meine Haltung, mein Verhalten ist keine bewusste Ablehnung, kein mutiges Sich-Positionieren, kein durchdachtes Statement. Es ist ein schlichtes "ich kann nicht anders", ein Unvermögen, Ruhe und Konstanz auszuhalten, ohne wie ein Fisch an Land nach Luft zu schnappen.
Und das macht das Ganze noch viel trivialer.

Dienstag, 19. März 2013

Meta

Ich finde es irgendwie sehr postmodern, dass im Buch, das ich aktuell aus der Uni-Bib ausgeliehen habe und lese (und das "Schlüsseltexte zur Postmoderne-Diskussion" präsentiert), nahezu jeder Text eine andere Definition der Postmoderne liefert. Teilweise sehr stark voneinander abweichend.

Freitag, 8. Februar 2013

Die Urenkel der Nihilisten

“Ich bilde schon lange keine Meinungen mehr. Ich sage Dinge, weil sie besser klingen als andere, die ich ebenfalls hätte sagen können.”
Juli Zeh, Spieltrieb 

Vor gut 5 Jahren habe ich ein grandioses Buch empfohlen bekommen und die Protagonistin für sehr sympathisch befunden.
Vor kurzem wieder neu gelesen und ein alter ego wiedergefunden.

“Das Spiel ist der Inbegriff demokratischer Lebensart. Es ist die letzt uns verbliebene Seinsform. Der Spieltrieb ersetzt die Religiosität, beherrscht die Börse, die Politik, die Gerichtssäle, die Pressewelt, und er ist es, der uns seit Gottes Tod mental am Leben hält.” 
Mit Kontext und ohne Sinn dahingestellt.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Eltern

Das Gute daran, bei den Eltern zu Besuch zu sein, ist, dass man dann weiß, dass man wenigstens eine gute Entscheidung in seinem Leben getroffen hat - auszuziehen.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Ex nihilo nihil fit

Es gibt wohl keine unangenehmere Begegnung, als die zweier Menschen, die sich nichts (mehr) zu sagen haben.

Es gibt wohl keine schmezhaftere Erfahrung, als das Gefühl, grundsätzlich nichts (von Belang) zu sagen zu haben.