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Freitag, 13. November 2015

Rassismus und Polizeigewalt

[CN: Rassismus und Gewalt werden in diesem Post beschrieben]

Ich als weiße* Person bin nicht von Rassismus betroffen. Demzufolge bin ich dem Thema gegenüber ziemlich naiv und umso schockierter, wenn ich seine krassen Ausprägungen im Alltag erlebe (die weniger krassen - aber deshalb nicht minder destruktiven - Ausprägungen erlebe ich ja nicht bewusst, da nur Ally und nicht Betroffene*r).

Samstag vor 2 Wochen war ich mit einem Freund abends in der Stadt. Weggehen, in einem Club tanzen. Wir sind dann irgendwann - es war so gegen 3 Uhr nachts - mal wieder zum rauchen auf die Straße vor den Club. Dort sehen wir ein großes Polizeiaufgebot und wie ein Cop[1] einen Menschen mit einem Knie und beiden Händen zu Boden drückt. Der Mensch blutet aus Nase und Oberlippe und hat einen frischen Bluterguss im Berich des Jochbeins. Wir gehen also hin, um dem Menschen bei Bedarf zur Seite zu stehen.

Es folgen 1,5 Stunden der Diskussion mit der Polizei. Ich schaffe es nicht, das ganze strukturiert chronologisch zu erzählen. Deshalb einzelne Stichpunkte.


  • Der Grund für die Festnahme war: es gab ca. 30 Minuten zuvor eine Schlägerei. Beteiligt waren 5 "Deutsche" und "so ungefähr 10 Araber/Syrer/Türken, irgendsowas halt" [Originalaussage eines Cops]. Der Betroffene passte, weil er optisch nicht dem rassistischen Bild des "Durchschnitssdeutschen" entsprochen hat, ins Verdächtigenschema. 
  • Deshalb wurde er, als er mit einem Kumpel in die Straße gebogen kam, von der Polizei angebrüllt und mehrere Cops kamen auf ihn zugerannt. Er bekam Angst, verstand nicht was von sich geht und wollte deshalb wegrennen, was Grund war, dass ihn die Cops einholten, einer ihm ins Gesicht schlug und ihn dann zu Boden drückte [Schilderung anhand der Erzählung des Betroffenen]
  • Weil er dann als "fluchtgefährdet" galt, war dies Anlass für die Polizei ihn, der zu dem Zeitpunkt als Oberkörper-Bekleidung nur ein Muskelshirt anhatte, nachts bei circa 7° C über den Verlauf von etwa einer halben Stunde auf den Boden zu drücken
  • Obwohl er mehrfach auf Englisch sagte, dass er kein Deutsch spricht und nur sehr wenig Englisch beherrscht und bat, mit ihm auf Französisch zu kommunizieren, brüllten ihn die Cops abwechselnd auf Deutsch und Englisch an und werteten in den Aussagen untereinander das Ausbleiben einer Antwort von ihm als mangelnde Kooperation
  • Die Tatsache, dass der Betroffene das Blut, das aus seiner aufgeplatzten Oberlippe kam, auf den Boden spuckte, wurde von einem Cop als Aggression und Respektlosigkeit gewertet und daraufhin weitere Gewalt angedroht (den sehr wütenden und bedrohlichen wie auch respektlosen O-Ton des Cops kriege ich nicht mehr zusammen)
  • Es hatte sich recht rasch geklärt, dass der Festgenommene gar nicht in der Schlägerei verwickelt hätte sein können, weil er aus einer Kneipe in einer ganz anderen Ecke der Innenstadt gekommen war. Dennoch bedurfte es gut einer Stunde der Diskussion mit den Cops, dass er nicht dennoch mit aufs Revier genommen wurde.
  • Seine Personalien wurden festgestellt, Grund dafür war "Widersetzung der Festnahme".
  • Ein Passant, der den Polizeieinsatz gefilmt hatte, bekam eine Anzeige wegen "Behinderung des Polizeieinsatzes"
  • Wir, die während des ganzen Hin und Hers dem Betroffenen zur Seite standen (aka ihn stützten, ihm Taschentücher für sein blutendes Gesicht gaben, ihm versuchten die Cops etwas vom Leib zu halten und mit unserem Schulfranzösisch übersetzend zu vermitteln), wurden von ungefähr jedem Cop mal gefragt bzw uns wurde unterstellt, den Betroffenen persönlich zu kennen. Die Tatsache, dass wir aus Solidarität bei ihm sind und ihm helfen, schien ihnen sehr absurd vorzukommen
  • Es waren in diesen anderthalb Stunden Cops in wechselnder Anzahl da. Zu irgendeinem Zeitpunkt hatte ich 20 (in Worten: "zwanzig") gezählt, die vor Ort waren. Wegen des initialen Verdachts in eine Schlägerei (ohne Waffeneinsatz, ohne Todesfolge usw.) verwickelt worden zu sein. Euer Ernst?
  • Obwohl der Betroffene sichtbar im Gesicht verletzt war und über Schmerzen klagte, wurde meine Aufforderung einen Rettungswagen oder Notarzt zu rufen erst verweigert. Als dann ein Rettungsassistent oder Notarzt vor Ort war, schaute sich dieser den Betroffenen aus gut 5 Metern Entfernung an, fragte ihn irgendetwas Abstraktes (auf Deutsch) und als nach 10 Sekunden keine Antwort kam, ging er wieder weg und fuhr fort
Ich könnte noch zig solcher Details und Aspekte aufzählen, aber ich glaube, das hier reicht erstmal für einen Eindruck der Situation. Andere Detail zu schildern, kommt mir entweder redundant in der Aussagekraft vor oder aber betrifft Aspekte der Situation, die den Rahmen sprengen würden und über die ich nicht reden möchte (Stichwort: wie es dem Betroffenen nach dieser Situation psychisch ging [Hint: extrem schlecht], meine Sorgen um ihn diesbezüglich [Hint: sehr vorhanden, ausgeprägt und IMHO berechtigt] und die Schwierigkeiten des Umgangs damit).
Aber ja.

Sachsen, Deutschland, 2015.
Was für ein rassistisches Stück Scheiße.

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[1]: Ich bediene mich in diesem Text gezielt durchgehend des Begriffs "Cop". Ich wollte in meiner Wortwahl möglichst neutral bleiben, aber das formal-höfliche "Polizeibeamte*r" ging mir in dem Kontext echt nicht über die Lippen (bzw. von den Fingerspitzen).

Donnerstag, 27. Februar 2014

Frühlingsabende

Wer die Nachtigall stört,...

Montag, 24. Februar 2014

Pauschalpazifismus

"Wir lehnen jede Form der Gewalt kategorisch ab."
Diesen Satz hört und liest eins oft - bei der Auftaktansprache von Demos, im Selbstbild von Gruppierungen und Bewegungen, bei Statements zu umstrittenen Aktionen.
Und diesen Satz halte ich für eine komplette Lüge.

Dienstag, 11. Februar 2014

Rechte Tendenzen - ein Problem der bildungsfernen Schichten?

Es gibt da eine Aussage, die eins im Diskurs über rechte Tendenzen (allen voran über Rassismus, aber auch in Bezug auf Homophobie, Sexismus, Ableismus usw.) in Deutschland (und soweit ich's mitbekommen habe auch in anderen Ländern der "westlichen Welt") hört. Manchmal wird sie explizit so formuliert, oft ist sie "nur" implizit in Argumenten oder auch der Berichterstattung enthalten. Aber das macht sie nicht weniger präsent im Bewusstsein der Diskursteilnehmer_innen.

"Ja, es gibt Menschen, die rassistische (homophobe/sexistische/ableistische...) Einstellungen haben, aber das ist nur ein Problem der bildungsfernen Schichten."

Dienstag, 4. Februar 2014

"Inländer-Rassimus"

Vor einigen Monaten tobte durch Twitter (mal wieder) eine Diskussion über "Inländer-Rassismus", ausgelöst durch einen Tweet darüber, dass es auch in den türkischen Gemeinden in Deutschland rassistische Vorurteile und/oder Ressentiments gegenüber Deutschen gibt.
Ich habe diese Diskussion erst nicht mitbekommen und dann, als ein guter Freund mich darauf aufmerksam machte, war mein erster Impuls, diese Diskussion gleich abzublocken. Aber aus der Diskussion mit besagtem Freund über dieses Thema entstand die Idee für einen Blogpost.

tl;dr - Ja, es gibt in Deutschland auch Menschen mit Migrationshintergund, die gegenüber "Deutschen" (was auch immer unter diese Definition fallen mag) Vorurteile und/oder Ressentiments hegen. Aber sich darauf zu beziehen ist in einem (größtenteils deutschen) Diskursrahmen eine Art von Derailing, die das Augenmerk von den tatsächlichen Problemen mit Rassimus weglenkt.

Also, im Gespräch mit besagtem Freund, der selbst einen Migrationshintergrund hat und in diesem Kontext Äußerungen von anderen russischstämmigen Menschen in Bezug auf "Deutsche" zitiert hat, musste ich recht schnell erkennen, dass es dieses Phänomen durchaus gibt. Um es nochmal zusammenzufassen: ja, es gibt in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund, die sich auch mal abfällig über "die Deutschen als solche" äußern und die zum Teil auch sich deshalb diesen gegenüber auch argwöhnisch verhalten.

Dennoch ist dies kein Grund, dies mit Fremdenfeindlichkeit (im Sinne von "Deutsche, die Ressentiments gegenüber Mensche mit Migrationshintergrund hegen") gleichzusetzen.
Denn:
a) "wie es in den Wald ruft, so schallt es heraus". Eigentlich selbsterklärend - wenn eins als Mensch mit Migrationshintergrund tagtäglich in Deutschland auf Rassismus seitens der Behörden oder Medien oder Gruppierungen oder Einzelpersonen stößt, dann kann ich es bestens verstehen, wenn eins dann nicht mehr so gut auf deutsche Staatsbürger zu sprechen ist;

b) wenn Menschen mit Migrationshintergrund Diskriminierung erfahren, so hat es oft auch einen institutionalisierten Aspekt. Mit anderen Worten, es sind nicht nur Einzelpersonen, die rassistische Äußerungen bringen und/oder sich rassistisch verhalten, sondern auch Behörden. Zum Beispiel: wieso fragen Standesamte im Geburtsurkunden-Formular ab, ob ein Elternteil des anzumeldenden Kindes "deutsch per Geburt" oder "deutsch per Einbürgerung ist"?
Das hat eine ganz andere Qualität, als wenn die Diskriminierung "nur" von Privatpersonen ausgeht und prägt eine gewisse Reaktanz (siehe Punkt a) und Punkt d) für die Folgen/Implikationen dessen) und lässt das Problem auch gleich in einer ganz anderen Liga spielen;

c) die Frage, die sich eins stellen muss, ist: welche Folgen haben dann solche rassistischen Ressentiments? Und da muss eins ganz klar feststellen (um mal eine Quelle zu nennen:Bundeskriminalstatistik 2011), dass es deutlich-deutlich-deutlichst mehr Körperverletzungen/Morde/sonstige Verbrechen von Deutschen gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund gibt, als andersherum (siehe Causa NSU, siehe Rostock-Lichternhagen);

d) es gibt eben medial/im Alltagsleben/in der poltischen Repräsentierung ein klares Ungleichgewicht von Präsenz und Mehrheitsverhätnissen der beiden Gruppen. Dementsprechend werden die Ressentiments der majority-Gruppe sehr viel schneller relevant, nahezu immer zum Nachteil von minority-Gruppen.


Ja, sobald ein ausreichend großes Sozium betrachtet wird, finden sich darin stets einige Rassisten (aka "Menschen, die Vorurteile/Ressentiments gegenüber Menschen einer anderen Ethnie/Hautfarbe/kulturellen Prägung/usw. hegen"). [Ja, selbst in "linken" Gruppierungen, auch wenn "Antirassimus" ja eigentlich ein Kernthema von linken Bewegungen ("als solchen") sein sollte.] Aber dies festzustellen ist so ähnlich wie zu sagen, dass sich in jedem halbwegs großen Sozium stets Arschlöcher finden lassen.

Die Frage, die diskursrelevant ist, ist die, welche Folgen und somit auch welchen Handlungsbedarf dies jeweils mit sich bringt. Und da sehe ich es als eindeutig an, dass wir in Deutschland viel-viel deutlicher ein Problem mit Rassismus von Deutschen gegenüber von Menschen mit Migrationshintergrund haben als andersherum. Dementsprechend ist es für mich auch mit Abstand relevanter sich auf diesen als Problem zu fokussieren.
Und die Feststellung von "Ja, auch unter Türken gibt es rassistische Meinungen in Bezug auf Deutsche" ist in meinen Augen ein Gemeinplatz (denn siehe den Punkt mit "in jeder (ausreichend großen) Gruppe gibt es einige Arschlöcher"), der insofern gefährlich ist, dass er
a) die Aufmerksamkeit von eigentlichen Problem ablenkt;

b) eine Art perfides victim blaming betreibt.

P.S. Auf die Bitte von "besagtem Freund" hin, möchte ich an dieser Stelle auch auf die Parallelen zum Sexismus-Diskurs hinweisen.
Denn was die ganzen "what about the men"-Argumente angeht: ja, auch ich sehe ein, dass Männer, die nicht dem gesellschaftlichen Männlichkeitsideal entsprechen, durchaus doofe Sprüche/Mobbing/Diskriminierung zu erleiden haben, und dass es auch durchaus Männer gibt, die Opfer von sexuellen Belästigungen oder sexuellem Missbrauch geworden sind.
Allerdings - gesellschaftlich (und eben nicht auf den Einzelfall bezogen) betrachtet - spielen sowohl rape culture als auch sexistische Diskriminierung im Beruf/Alltag in Bezug auf Frauen eine deutlich größere Rolle.
Dementsprechend finde ich es auch eine Art von Derailing und Ablenkung-vom-"eigentlichen Problem"-Taktik, z.B. in der #aufschrei-Debatte mit "aber Männer werden doch auch diskriminiert"-Argumenten anzukommen

Mittwoch, 14. August 2013

Überwachung

So, so. Nur 4% aller Deutschen halten Überwachung für ein ernstzunehmendes Problem.

Zeit meine persönliche Ostblock-Story auszupacken.

Mittwoch, 24. Juli 2013

Nimm's mit Humor


Es gibt ja diesen tollen Spruch "Gott, gib mir die Kraft, das zu ändern, was ich ändern kann, die Gelassenheit, das zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann, und die Weisheit dazwischen zu unterscheiden." (oder sinngemäß).

Ich schlage eine Abwandlung dieses Spruchs für Pflegekräfte vor: "Liebes Schicksal/$höhereEntität, gib mir Patienten, die keine Dummheiten bauen, einen kühlen Kopf, um auf Patienten, die doch Dummheiten bauen, in Zaum halten zu können, und Humor, um wenigstens über die Situation lachen zu können, wenn das mit der Schadensbegrenzung nicht klappt."

Ein Patient, der eigentlich nicht alleine zur Toilette laufen sollte, hat es doch getan. Und seine Windelhose im WC versenkt. Und als dann beim Spülen das Wasser nicht ablaufen wollte - richtig: noch 10-20 mal nachgespült. Und mit der Klobürste noch dafür gesorgt, dass alles schön überschwappt.
Ins Zimmer kommen und erstmal knöcheltief in Wasser stehen. Um 3:45 in der Nacht.

Der Patient tat mir auch schon sehr leid, so peinlich, wie ihm die Situation war. Und ich hatte und habe ein schlechtes Gewissen, mich darüber zu amüsieren. Aber irgendwie muss man ja bei Verstand bleiben.

Dienstag, 16. Juli 2013

We Can Do It!

Wer Ketten- oder Maschinenöl-verschmierte Unterarme für unfeminin hält, der/die sollte seine/ihre Vorstellung von Weiblichkeit überdenken.

Verletzlichkeit schön und gut, was aber an Hilflosigkeit gegenüber Technik weiblich, geschweige denn attraktiv/sexy sein soll, bleibt mir schleierhaft.

P.S. Wer der Zusammenhang von Überschrift und Post-Thema versteht, kriegt einen Keks.

Dienstag, 9. Juli 2013

Studiums-Kram. Oder: ich versinke in organisatorischen Aufgaben

Ich habe den Sinn und Zweck von medizinischen Doktorarbeiten durchschaut. Es soll nicht die Fähigkeit zu wissenschaftlichem Arbeiten und/oder Schreiben erlernt und bewiesen werden. Es werden einzig und allein Leidensfähigkeit, Stressresistenz und Durchhaltevermögen geprüft und trainiert.

Und ich schätze es als realistisch an, dass ich mein Studium im allerletzten Jahr in den Sand setzen werde. Nicht, weil ich durch irgendeine wichtige Prüfung durchfalle, sondern weil ich eine organisatorische Kleinigkeit oder irgendeine Frist verpeilen werde.
Das Praktische Jahr fängt im Mai 2014 an. Anmeldefrist endet Anfang Oktober 2013. Super, und ich dachte, ich hätte massig Zeit...

Ich glaube, hätte eine Komillitonin/Freundin mir nicht vorgeschlagen, dass wir uns heute Mittag mit den Laptops hinpflanzen und nicht aufstehen, ehe wir unsere Bewerbungen herausgehauen haben, würde ich immernoch Panik schieben, ohne etwas Sinnvolles zu tun. Wunderbar, wenn man Selbstdisziplin externalisieren kann.
Heute dann fröhliche 6 Bewerbungen an britische Kliniken wegen Chirurgie herausgehauen. Und eine an Mannheim wegen Kinder-/Jugendpsychiatrie.

Montag, 6. Mai 2013

Umzug

Neue Wohnung.

Und die Katze scheint sich in der neuen Wohnung noch schneller zu Hause zu fühlen als ich.
Was schon viel aussagt, weil die Wohnung toll ist und ich mich, als Mensch mit abartig viel Umzugserfahrung, sehr schnell irgendwo zu Hause (und gleichzeitig aber niemals und nirgendswo heimisch) fühle.

Aber die Situation hat einen großen Haken...
Ich und die Katze sind umgezogen. Der Internet-Anschluss noch nicht.
Das monatliche Datenvolumen meines Handy ist begrenzt und möchte ich (für den Fall eines Notfalls) nicht ausreizen. Und in eine leer geräumte Wohnung pendeln, um ins Netz zu gehen, ist echt-echt trist.

Home is where the internet is.
Hoffentlich dauert es nicht mehr allzu lange.

Bis dahin bleiben die Updates hier spärlich, meine Email-Antwort-Latenzzeiten lange und mein Auftauchen in social media und IMs sporadisch.

Montag, 15. April 2013

Frühlingssentimentalitäten

Der so umschwärmte Duft der Blumen, die jetzt gerade überall aus dem Boden sprießen und an allen möglichen Bäumen aufgehen, ist doch auch nur der Geruch von Pflanzen-Genitalien.

Mittwoch, 10. April 2013

Luxusprobleme der medizinischen Versorgung?

Heute hatten wir eine Vorlesung zum Thema "Unerfüllter Kinderwunsch und seine Therapieoptionen". Dabei hat die Dozentin unter anderem erwähnt, dass Prozeduren der künstlichen Befruchtung ( es gibt nämlich nicht DIE künstliche Befruchtung, sondern mindestens drei große Gruppen von Verfahren, die unter diesem Schlagwort zusammengefasst werden ) von Krankenkassen nur zur Hälfte übernommen werden und auch das nur dann, wenn die Ärzte attestieren können, dass ansonsten alles mögliche probiert wurde (also Hormon-Diagnostik, Zyklusbeobachtung usw.) UND es sich um ein verheiratetes Ehepaar handelt.

Ich (sowie auch einige andere Kommilitonen) haben uns über die Tatsache echauffiert, dass hier verheirateten Ehepaaren deutlich der Vorzug gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, Paaren in "wilder Ehe" oder aber auch Frauen, die nicht in einer Partnerschaft sind, aber dennoch ein Kind wollen, gegeben wird. Die Empörung habe ich auch auf Twitter anklingen lassen, woraus dann eine Diskussion entstanden ist.

Und zwar darüber, inwiefern es überhaupt gerechtfertig sei, dass gesetzliche Krankenkassen (im Folgenden: GKV) reproduktionsmedizinische Maßnahmen, wie z.B. die künstliche Befruchtung bezahlen. Keine Kinder zu haben, sei ja keine Krankheit.
Und weil es sich in 140 Zeichen schlecht argumentieren und diskutieren lässt, schreibe ich hier mal etwas dazu.

Donnerstag, 21. März 2013

Biologistische Kackscheiße

Vorlesung. Klinische Genetik. Ein Großteil der Studenten sind im 8. oder 10. Fachsemester. Alle haben mindestens 3,5 Jahre des Medizinstudiums hinter sich.

Es geht um das Ulrich-Turner-Syndrom. Menschen mit diesem Syndrom haben als Geschlechtschromosomen, weder XX (genetisch weiblich) noch XY (genetisch männlich), sondern nur ein einzelnes X-Chromosom (auch X0 geschrieben). Diese Menschen sind von den primären Geschlechtsmerkmalen her biologisch weiblich, oft fällt die Chromosomen-Abweichung erst dann auf, wenn die Pubertät ausbleibt bzw. wenn die Frauen (ein Großteil identifizieren sich - auch nach Diagnosestellung - als Frau) das Ausbleiben der Periode bzw. den unerfüllten Kinderwunsch abklären lassen wollen.

So viel zum Hintergrund.

Und dann fragt eine Studentin: "Ja, aber entwickeln sich die Patienten dann echt, obwohl sie nur ein X-Chromosom haben, als Mädchen? Also auch geistig?"

"Sich geistig als Mädchen entwickeln"?
Und es gab im Hörsaal nicht einmal empörtes Brummen oder amüsiertes Lachen.

Mal im Ernst... Man mag ja darüber, dass es Gender Studies auch als eigenständiges Fach gibt, denken wie man will. Aber ich finde, dass man als Mensch (v.a. wenn man später in einem sozialen Beruf mit tiefgreifendem Einfluss auf das (Privat-)Leben anderer Menschen arbeiten wird) doch mal davon gehört haben sollte, dass das soziale Geschlecht (also Geschlechtsidentität) ein soziales Konstrukt ist. Und dass es keine (und erst recht keine binäre) geschlechtsspezifische "geistige Entwicklung" gibt. Erst recht keine biologisch determinierte.

Dienstag, 19. März 2013

Meta

Ich finde es irgendwie sehr postmodern, dass im Buch, das ich aktuell aus der Uni-Bib ausgeliehen habe und lese (und das "Schlüsseltexte zur Postmoderne-Diskussion" präsentiert), nahezu jeder Text eine andere Definition der Postmoderne liefert. Teilweise sehr stark voneinander abweichend.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Eltern

Das Gute daran, bei den Eltern zu Besuch zu sein, ist, dass man dann weiß, dass man wenigstens eine gute Entscheidung in seinem Leben getroffen hat - auszuziehen.

Sonntag, 20. Januar 2013

#KeinFußBreit

Dies ist weniger ein Post mit Inhalt, als eine Bitte, die Kommentarfunktion für eine Diskussion zu nutzen und mir evtl. ein paar nützliche Ratschläge zu geben.

Und zwar geht es mir um die Frage: "Wie geht man damit um, wenn enge Familienmitglieder (z.B. die Eltern) offensichtlich und z.T. auch extrem rassistische Positionen vertreten?"

Dass die Eltern - oder auch grundsätzlich andere Menschen, mit denen man zu tun hat - in vielen Fragestellung eine andere Meinung als man selbst haben, ist ja unvermeidbar. Finde ich persönlich auch gut und eine Bereicherung der Kommunikation. Aber wenn man überzeugter Anhänger der Position der Universalität der Menschenwürde ist, Rassismus auf allen Ebenen, v.a. im Alltag, zu bekämpfen versucht und rassistische Haltungen und ihre Vertreter einfach verachtet, ist es ganz schön happig, wenn von den Eltern Sprüche wie "Naja, es wird wohl einen Grund geben, wieso Deutschland eine führende Wirtschaftsmacht ist, und das kannst du nicht nur historisch-soziologisch erklären, das hängt damit zusammen, dass Deutsche halt tüchtig und schlau sind" (Zitat sinngemäß) kommen.

Andererseits sind es eben auch Menschen, die  a)für einen selbst verdammt viel getan haben und immer noch bereit wären, verdammt viel für einen zu tun, denen man dementsprechend zu Dankbarkeit verpflichtet ist und b) man in anderen Bereichen durchaus als moralisch integer kennen gelernt hat.

Das einzig logische, was mir einfällt, ist zu sagen: "Ich mag euch als Menschen, aber in dem Punkt ist eure Meinung übelste Scheiße." Das wird jedoch als persönlicher Angriff gewertet. Ich solle doch, wenn ich dazu eine andere Meinung habe, um den Familienfrieden willen die Klappe halten,

Und jetzt: moralisch-ethische Diskussion über das richtige Verhalten in einer solche Konstellation. Go!

Montag, 7. Januar 2013

"Es geht bergab..."

Es ist ein ewiges Thema, das auch fast jeden anzusprechen scheint. Mal ist es der Inhalt von Witzen, mal von ernst gemeinten Horrorszenarien, meistens eine Mischung aus beidem.
Ok, genug der dramatischen Einleitung. Worauf ich hinaus will, ist das Konzept von "wir, als Gesellschaft/Kultur/Art, verdummen alle!".

Samstag, 8. Dezember 2012

Meinungen

Ich war eigentlich nie ein Mensch, der zu gesellschaftlichen/politischen Fragestellungen gesat hat: "weiß nicht", höchstens mal im Sinne von "dazu habe ich keine endültige Meinung, ist ein komplexes Thema, bin noch am Nachdenken". Was ich jedoch garantiert nie zu solchen Fragen gesagt hätte, wäre ein "interessiert mich nicht".

Aber meine Meinung zu vielen Punkten hat sich mit der Zeit oft gewandelt.

Freitag, 3. August 2012

Kontext

Um den intendierten Sinn einer Aussage zu verstehen, sollte man sie in ihrem Kontext betrachten.
Natürlich kann man eine Aussage ihrem Kontext entreißen und ihr dadurch einen einen gänzlich neuen Sinn geben. Das steht jedem und bei jeder Aussage frei. Aber dann sollte man nicht diesen neuen Sinn, den man der herausgerissenen und isolierten Aussage durch seine Interpretation zuschreibt, dem Urheber in den Mund legen. Denn dieser hat die Aussage ja nicht ohne Grund in einen Kontext eingebettet.

Verdeutlichen wir dies an einem bewusst sehr simplen Beispiel.
Ich sage: "Alle Menschen, die behaupten, dass Hitler ein tolles Staatsoberhaupt gewesen wäre, haben sich nicht ausreichend mit der Geschichte des 3. Reiches befasst."
Würde man jetzt einen Bruchteil dieser Aussage dem Kontext entreißen, könnte man mir ein "Hitler war ein tolles Staatsoberhaupt" in den Mund legen. Dabei habe ich das genaue Gegenteil davon behauptet.

Und dieses Prinzip lässt sich auch auf dezentere Uminterpretationen bei fehlender Berücksichtigung des Kontextes anwenden.
Mal im Ernst, gerade in Bereichen wie der Politik, Philosophie und Soziologie lassen sich so große Missverständnisse vermeiden.

Sexismus

Manchmal wundert mich meine Einstellung, nein, viel mehr meine Wahrnehmung von Sexismus.
Als Welde Werbung mit einer nackten, in einer lasziven Pose verdrehten Frau (die mit ihren Kurven wohl an die Gestaltung der daneben abgebildeten Flasche erinnern sollte) machte¹, fand ich das gewissermaßen in Ordnung und habe mich nicht daran gestört.
Als Welde jetzt im Rahmen einer Werbeaktion, extra rosa Bierkästen, die sich auch "als Handtasche" tragen lasen, für Frauen herstellt², war und bin ich empört und habe beschlossen, Welde zu boykottieren (auch wenn mir das Bier schmeckt).

Die Darstellung einer Frau als Sex- oder zumindest Lustobjekt finde ich also (unterschwellig) akzeptabel, das Festigen von Genderklischees löst in mir Wut aus. Dabei ist doch beides (weibliche Nacktheit in Werbung und "Frauen mögen rosa. Und Handtaschen. Und Schuhe"-Sprüche und -Denke) in unserer Gesellschaft gleich verbreitet. Und beides wird in feministischen Kreisen gleichermaßen angegriffen.
Wieso also dieser Unterschied in meiner Auffassung?
Strange.
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Quellen:
[1]: http://www.welde.de/werbemittel/screensaver/weldeWallpaper_D_1280.jpg
[2]: http://www.morgenweb.de/region/schwetzinger-zeitung-hockenheimer-tageszeitung/plankstadt/was-frauen-wollen-und-manner-mogen-1.666384