Nachdem sich mein Aushilfsjob in der Methadonambulanz erübrigt hatte (weil die Wochenend-Vergabe in eine kooperierende Praxis ausgelagert wurde), war ich heute zum ersten Mal seit beinahe einem Jahr wieder vor Ort.
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Freitag, 26. April 2013
Donnerstag, 26. Juli 2012
Im Alltag gelesen (Teil 1)
Ich lese gerne Graffiti. Manchmal sind das echte Perlen darunter. Manchmal sind sie einfach nur schön kryptisch und ich habe etwas zu rätseln. Und manchmal sind die Sprüche nicht sonderlich originell - haben aber durch die Kombination von Ort und Text einen besonderen Witz.
Ich sage nur:
"Macht kaputt, was euch kaputt macht" - an der Wand einer Suchtklinik.
Ich sage nur:
"Macht kaputt, was euch kaputt macht" - an der Wand einer Suchtklinik.
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Sonntag, 19. Februar 2012
Methadon
Es ist erstaunlich, wie sehr Patienten unter Methadon an Gewicht zunehmen. Manche, die aktuell in Mannheim substituiert werden, haben im August, als ich dort Praktikum gemacht habe, dort mit der Substitution angefangen. Und es ist schon erstaunlich zu sehen, wie viele mit jedem Monat runder wurden.
Aber Methadon macht nicht nur Nebenwirkungen. Was mir persönlich immer wahnsinnig viel Mut macht, ist dann Patienten zu sehen, die noch total hoffnungslos und tief im Drogenmilieu waren. als sie im Methadonprogramm angefangen haben, und jetzt Arbeit, eine stabile Beziehung oder auch nur allgemein so etwas wie Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ein Sinn für ein eigenes Ziel haben.
Das gibt einem dann doch das Gefühl von "und deshalb mach ich den Kram hier".
So morgen wieder früh aufstehen. Und ehrlich gesagt - ich freu mich auf unsere Patienten.
Aber Methadon macht nicht nur Nebenwirkungen. Was mir persönlich immer wahnsinnig viel Mut macht, ist dann Patienten zu sehen, die noch total hoffnungslos und tief im Drogenmilieu waren. als sie im Methadonprogramm angefangen haben, und jetzt Arbeit, eine stabile Beziehung oder auch nur allgemein so etwas wie Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ein Sinn für ein eigenes Ziel haben.
Das gibt einem dann doch das Gefühl von "und deshalb mach ich den Kram hier".
So morgen wieder früh aufstehen. Und ehrlich gesagt - ich freu mich auf unsere Patienten.
Dienstag, 7. Februar 2012
Neues aus der Anstalt... ähm, Methadonambulanz
Ich war heute mal wieder in der Suchtklinik in Mannheim. Diesmal aber nicht, um Methadon zu verteilen, sondern um Patientendaten anonymisiert für eine Publikation aufzubereiten. Langweilige, zähe, zeitaufwendige und anspruchslose Tätigkeit: mit anderen Worten HiWi-/Doktoranden-Arbeit.
Wobei ich meine gesamte Tagesportion Optimismus dafür genutzt habe, auch diesen Tag nicht als vergeudete Lebenszeit zu betrachten.
Einerseits habe ich mir eben die Lebensläufe unserer Patienten (und es sind mehr als Hundert) mal genauer angeschaut, im Ambulanzalltag bleibt einem selten Zeit für sowas. Und konnte feststellen, dass es wirklich stets die Schwächsten sind, die Heroin-abhängig werden. Entweder die sozial Schwächsten - also Menschen, die ihre Kindheit damit verbracht haben, zwischen dem von Armut und Alkohol (und oft genug auch Gewalt) geprägten Elternhaus und Heimen, wo sie dann auch mit 13 oder 14 das erste Mal Heroin konsumierten, hin- und herzupendeln - oder die psychisch Schwächsten - Menschen, deren Leben (das davor oft genug "normal" verlief, also mit Freunden und guten Noten und Ausbildung/Studium/Beruf) durch das Einsetzen einer psychischen Krankheit komplett aus der Bahn geworfen wurde und die dann Heroin nahmen, um vor ihren Wahnvorstellungen oder Ängsten zu flüchten.
Irgendwie schon ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, wenn man sich überlegt wie viele derart gescheiterte Existenzen es allein in Mannheim gibt. Und die Leute machen es sich selbst natürlich nicht leicht, sind oft im Umgang schroff, egoistisch, unhöflich, es wird ihnen aber auch alles andere als leicht gemacht - habe auch schon so viele Erfahrungsberichte von Kündigungen und beendeten Freundschaften und Beziehungen gehört, nachdem sie dich als Patienten eines Methadonprogramms geoutet hatten.
Und das bringt mich auch zu meinem "andererseits": wenn man dann so dasitzt und sich seinen Weg durch diese Akten, durch diese Zahlen und Fachbegriffe gewordenen Schicksale liest (ich persönlich finde ja den Begriff "Anpassungsstörung" für "Trauerreaktion" ja schon sehr toll) und dann einem Henke mit Goethes Erben "Es gibt keine Lösung, keinen Ausweg, keinen Sinn" ins Ohr flüstert... Ich fasse die Essenz der Erfahrung mal großzüging mit "Gänsehaut" zusammen. Und nicht "ach so schön"-Gänsehaut. Eher "wer hat mir den Coolpack ums Herz gelegt?"-Gänsehaut.
Wobei ich meine gesamte Tagesportion Optimismus dafür genutzt habe, auch diesen Tag nicht als vergeudete Lebenszeit zu betrachten.
Einerseits habe ich mir eben die Lebensläufe unserer Patienten (und es sind mehr als Hundert) mal genauer angeschaut, im Ambulanzalltag bleibt einem selten Zeit für sowas. Und konnte feststellen, dass es wirklich stets die Schwächsten sind, die Heroin-abhängig werden. Entweder die sozial Schwächsten - also Menschen, die ihre Kindheit damit verbracht haben, zwischen dem von Armut und Alkohol (und oft genug auch Gewalt) geprägten Elternhaus und Heimen, wo sie dann auch mit 13 oder 14 das erste Mal Heroin konsumierten, hin- und herzupendeln - oder die psychisch Schwächsten - Menschen, deren Leben (das davor oft genug "normal" verlief, also mit Freunden und guten Noten und Ausbildung/Studium/Beruf) durch das Einsetzen einer psychischen Krankheit komplett aus der Bahn geworfen wurde und die dann Heroin nahmen, um vor ihren Wahnvorstellungen oder Ängsten zu flüchten.
Irgendwie schon ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, wenn man sich überlegt wie viele derart gescheiterte Existenzen es allein in Mannheim gibt. Und die Leute machen es sich selbst natürlich nicht leicht, sind oft im Umgang schroff, egoistisch, unhöflich, es wird ihnen aber auch alles andere als leicht gemacht - habe auch schon so viele Erfahrungsberichte von Kündigungen und beendeten Freundschaften und Beziehungen gehört, nachdem sie dich als Patienten eines Methadonprogramms geoutet hatten.
Und das bringt mich auch zu meinem "andererseits": wenn man dann so dasitzt und sich seinen Weg durch diese Akten, durch diese Zahlen und Fachbegriffe gewordenen Schicksale liest (ich persönlich finde ja den Begriff "Anpassungsstörung" für "Trauerreaktion" ja schon sehr toll) und dann einem Henke mit Goethes Erben "Es gibt keine Lösung, keinen Ausweg, keinen Sinn" ins Ohr flüstert... Ich fasse die Essenz der Erfahrung mal großzüging mit "Gänsehaut" zusammen. Und nicht "ach so schön"-Gänsehaut. Eher "wer hat mir den Coolpack ums Herz gelegt?"-Gänsehaut.
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