Posts mit dem Label Krankenhaus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Krankenhaus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 9. Juli 2014

Professionelle Distanz

Ich mag es, Patient*innen zu haben. Ich mag es umso mehr, sympathische Patient*innen zu haben. Und noch mehr, sympathische und intelligente (und oftmals gesitig frühreife) Patient*innen zu haben.

Wo es kippt, ist wenn ich Patient*innn behandeln soll, bei deren Problemen ich eigentlich nur trauig den Kopf schütteln und "Hast recht. Die Welt ist scheiße, ein Großteil der Menschen sind inolerant und oberflächlich und langweilig und dennoch ist man selbst genauso ein Mensch mit denselben Macken und nicht so hochgeistig, wie man es gerne wäre, und verspürt das Bedürfnis nach Gemeinschaft und einfach nur Anerkennung. Du hast es erfasst, viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen, man muss mit dieser Kränkung des eigenen Ego leben, die Zähne zusammenbeißen und fleißig weiterstapfen."

Das mag ich weniger. Das stürzt in Sinnkrisen.

Sonntag, 16. Februar 2014

The Art of Doublethink

tl;dr: Wenn eins im Krankenhaus arbeitet, bekommt eins viele heftige Sachen mit. Und zwar immer versehen mit einem Namen, einem Gesicht und oft auch einer Geschichte. Und diese nehmen eins mit. Und trotzdem kann eins parallel dazu lachen und dem ganz normalen Alltagskram nachgehen. Und ja, eins fühlt sich zynisch dabei. Aber diesen Zynismus nimmt eins irgendwie in Kauf, um nicht zusammenzubrechen.

[TW: realistische Darstellung der Arbeit in der Pflege und körperlicher und geistiger Gebrechlichkeit; viel Zynismus]

Mittwoch, 24. Juli 2013

Nimm's mit Humor


Es gibt ja diesen tollen Spruch "Gott, gib mir die Kraft, das zu ändern, was ich ändern kann, die Gelassenheit, das zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann, und die Weisheit dazwischen zu unterscheiden." (oder sinngemäß).

Ich schlage eine Abwandlung dieses Spruchs für Pflegekräfte vor: "Liebes Schicksal/$höhereEntität, gib mir Patienten, die keine Dummheiten bauen, einen kühlen Kopf, um auf Patienten, die doch Dummheiten bauen, in Zaum halten zu können, und Humor, um wenigstens über die Situation lachen zu können, wenn das mit der Schadensbegrenzung nicht klappt."

Ein Patient, der eigentlich nicht alleine zur Toilette laufen sollte, hat es doch getan. Und seine Windelhose im WC versenkt. Und als dann beim Spülen das Wasser nicht ablaufen wollte - richtig: noch 10-20 mal nachgespült. Und mit der Klobürste noch dafür gesorgt, dass alles schön überschwappt.
Ins Zimmer kommen und erstmal knöcheltief in Wasser stehen. Um 3:45 in der Nacht.

Der Patient tat mir auch schon sehr leid, so peinlich, wie ihm die Situation war. Und ich hatte und habe ein schlechtes Gewissen, mich darüber zu amüsieren. Aber irgendwie muss man ja bei Verstand bleiben.

Dienstag, 16. Juli 2013

Bits, Bytes and (Heart)Beats

Der Begriff "Digitalisierung" amüsiert mich.

Weil ich dabei stets an die Überführung eines Mediums aus analoger in digitale Form denken muss.

Dabei bedeutet der Begriff, wenn ich ihm im Studiums-Kontext begegne, die Einstellung eines Patienten auf ein Digitalis-Präparat.
Digitalis-Wirkstoffe sind das Gift des Fingerhuts (jaja, die Pflanze, vor der euch eure Eltern hoffentlich als Kind gewarnt haben), das aber in geringester Dosierung einen positiven Effekt auf die Pumpkraft des Herzens hat. (Wer wissen will, wie genau, kann sich bei mir melden und ich erkläre das ausführlich und hoffentlich verständlich.)

P.S. Man verzeihe mir den schlechten und erzwungenen Kalauer in der Überschrift.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Sowas wie Hirnforschung

1) Man setzt (in Deutschland bisher nur in ersten Studien, in den USA angeblich schon eine ganze Weile) Parvovirus, konkreter einen Stamm dieses Virus, der eine für Ratten oft tödliche Erkrankung verursacht und ein enger Verwandter des Erregers von Ringelröteln ist, ein, um schwere Hirntumoren (z.B. Glioblastome) zu bekämpfen. Eine OP kann es meist nicht ersetzen, aber unterstützend soll es doch die Überlebensrate erhöhen.
Zum Nachlesen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22553327
[woher ich das weiß: einen Patienten, der diese Therapie bei einem Glioblastom bekam, als Sitzwache im gestrigen Nachtdienst betreuen dürfen]

2) So paradox es klingen mag, aber Schlafentzug wird (oft sehr erfolgreich) als Therapie bei Depression (bzw. psychiatrisch korrekt: "depressiven Episoden") eingesetzt. Die stimmungsaufhellende Wirkung hält zwar nicht ewig an, aber reicht dann doch mehrere Tage. Und in Kombi mit Medikamenten und einer anständigen Therapie und als eine Art "Arschtritt" hat es doch oft genug guten Erfolg.
Auch hier zum Nachlesen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12531127
[woher ich das weiß: Psychiatrie-Vorlesungen, freiwillig gelesene Psych-Lehrbücher, Eigenerfahrung aus Nachtdiensten :) ]

Dienstag, 9. Juli 2013

Studiums-Kram. Oder: ich versinke in organisatorischen Aufgaben

Ich habe den Sinn und Zweck von medizinischen Doktorarbeiten durchschaut. Es soll nicht die Fähigkeit zu wissenschaftlichem Arbeiten und/oder Schreiben erlernt und bewiesen werden. Es werden einzig und allein Leidensfähigkeit, Stressresistenz und Durchhaltevermögen geprüft und trainiert.

Und ich schätze es als realistisch an, dass ich mein Studium im allerletzten Jahr in den Sand setzen werde. Nicht, weil ich durch irgendeine wichtige Prüfung durchfalle, sondern weil ich eine organisatorische Kleinigkeit oder irgendeine Frist verpeilen werde.
Das Praktische Jahr fängt im Mai 2014 an. Anmeldefrist endet Anfang Oktober 2013. Super, und ich dachte, ich hätte massig Zeit...

Ich glaube, hätte eine Komillitonin/Freundin mir nicht vorgeschlagen, dass wir uns heute Mittag mit den Laptops hinpflanzen und nicht aufstehen, ehe wir unsere Bewerbungen herausgehauen haben, würde ich immernoch Panik schieben, ohne etwas Sinnvolles zu tun. Wunderbar, wenn man Selbstdisziplin externalisieren kann.
Heute dann fröhliche 6 Bewerbungen an britische Kliniken wegen Chirurgie herausgehauen. Und eine an Mannheim wegen Kinder-/Jugendpsychiatrie.

Montag, 1. Juli 2013

Perlen der Weisheit

In den letzten zwei Nachtdiensten habe ich viel gelernt.
Und möchte meine neue gefundene Weisheit nun mit euch teilen.

  • Tiere sind gefährlich. Sehr. Es lagen zwei Patienten nach einem Arbeitsunfall auf Station. Die eine wurde von einem Schaf umgerannt. Dem anderen hat ein Ochse ins Gesicht getreten. Beide mit heftiger Jochbein-Fraktur.
  • Wenn ihr im Krankenhaus liegt, seid nett zu Pflegekräften auf Station. Wir haben sonst unsere Methoden, uns zu rächen. Nein, keine Gewalt, keine fiesen Medikamente. Wir sind da viel subtiler. Wir sorgen dann dafür, dass die nervigsten neuaufgenommenen Patienten unbedingt zu euch als Zimmernachbarn kommen.
  • Bei Nasenbluten kommt Blut aus der Nase. Bei starkem Nasenbluten kommt auch noch Blut aus dem Mund. Und bei monströsem Nasenbluten kommen dem Patienten auch noch blutige Tränen aus den Augen. 
    • Im Ernst. Ja, ich habe eine junge Frau Blut weinen gesehen. Ja, es war verstörend.
  • Es ist keine gute Idee, der Pflege Schnapspralinen zu schenken. Das vermittelt anderen Patienten einen falschen Eindruck von den Nachtschwestern.
  • Ein Sandwich-Maker verwandelt alles in eine Party. Oder eine Fressorgie. Meistens beides.
  • Auch wenn man es nicht glaubt und die Empirie oft gänzlich widerspricht: es gibt auch schwer und chronisch kranke Patienten, bei denen man im Krankenhaus tatsächlich eine Besserung beobachten kann, statt ihnen nur beim Dahinsiechen zuzusehen. Und es ist erstaunlich, wie gut das tut, so etwas mitzubekommen.
  • Gespräche im Nachtdienst sind... anders. Und man entdeckt bei seinen Kollegen auf einmal überraschenden Tiefgang.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Update

DSL-Anschluss in der neuen Wohnung freigeschaltet.
Wieder problemlos Internet-Zugang.
Und irgendwie freut mich das deutlich weniger, als ich gedacht hätte.


Ansonsten arbeite ich morgen zum ersten Mal seit 3,5 Jahren wieder in Frühschicht (für Kollegen in der Pflege einspringen). Ich bin sehr gespannt. Um 6:15 umgezogen und zum Dienstantritt bereit auf Station sein. We'll see...

Freitag, 26. April 2013

Patienten

Nachdem sich mein Aushilfsjob in der Methadonambulanz erübrigt hatte (weil die Wochenend-Vergabe in eine kooperierende Praxis ausgelagert wurde), war ich heute zum ersten Mal seit beinahe einem Jahr wieder vor Ort.

Dienstag, 16. April 2013

Live aus dem Nachtdienst


Sitzwache bei einem alten Mann, der nach einer Hirn-OP (Probenentnahme bei Verdacht auf einen Hirntumor) desorientiert ist. Und hinter "desorientiert" versteckt sich in diesem Fall "völlig durch den Wind, selbst- und fremdgefährdend und total hyperaktiv". Eigentlich ein trauriger Fall, aber er liefert Gespräche mit einem hohen Situationskomik-Faktor.

Patient: "Wo ist denn die Sonne? Haben Sie sie versteckt?"
Ich: "Nein, Herr [Name], es ist Nacht, sie hat sich selber versteckt."
Patient: "Dann bringen Sie sie wieder her, dass sie an ihrem richtigen Ort ist." [Pause] "Und machen Sie Frieden."

Na da wurde mir mal ein Großprojekt in Auftrag gegeben. Ich bezweifle, dass das zu meinen vertraglichen Arbeitsaufgaben gehört.

Mittwoch, 10. April 2013

Luxusprobleme der medizinischen Versorgung?

Heute hatten wir eine Vorlesung zum Thema "Unerfüllter Kinderwunsch und seine Therapieoptionen". Dabei hat die Dozentin unter anderem erwähnt, dass Prozeduren der künstlichen Befruchtung ( es gibt nämlich nicht DIE künstliche Befruchtung, sondern mindestens drei große Gruppen von Verfahren, die unter diesem Schlagwort zusammengefasst werden ) von Krankenkassen nur zur Hälfte übernommen werden und auch das nur dann, wenn die Ärzte attestieren können, dass ansonsten alles mögliche probiert wurde (also Hormon-Diagnostik, Zyklusbeobachtung usw.) UND es sich um ein verheiratetes Ehepaar handelt.

Ich (sowie auch einige andere Kommilitonen) haben uns über die Tatsache echauffiert, dass hier verheirateten Ehepaaren deutlich der Vorzug gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, Paaren in "wilder Ehe" oder aber auch Frauen, die nicht in einer Partnerschaft sind, aber dennoch ein Kind wollen, gegeben wird. Die Empörung habe ich auch auf Twitter anklingen lassen, woraus dann eine Diskussion entstanden ist.

Und zwar darüber, inwiefern es überhaupt gerechtfertig sei, dass gesetzliche Krankenkassen (im Folgenden: GKV) reproduktionsmedizinische Maßnahmen, wie z.B. die künstliche Befruchtung bezahlen. Keine Kinder zu haben, sei ja keine Krankheit.
Und weil es sich in 140 Zeichen schlecht argumentieren und diskutieren lässt, schreibe ich hier mal etwas dazu.

Sonntag, 5. August 2012

Home, sweet home

Zwischen zwei Nachtdiensten daheim sein, führt zu seltsamen Erkenntnissen.

Home is:
wo es nicht nach Sondenkost stinkt
wo man nicht jeden hereinkommenden nach Allergien, Medikamenten und Vorerkrankungen fragen mus
wo es nicht das Bimmeln der Klingel, sondern das Blinken des ICQ-Fensters ist, das einem Aufmerksamkeit abverlangt
wo der Kühlschrank zwar nicht vor Eis, Vanille-Pudding und kleinen Marmelade-Döschen überquillt, dafür aber auch noch andere Lebensmittel enthält
wo das Kochen von Kaffee nicht zwingend großindustrielle Maßstäbe einnimmt

to be continued

Donnerstag, 26. Juli 2012

Im Alltag gelesen (Teil 1)

Ich lese gerne Graffiti. Manchmal sind das echte Perlen darunter. Manchmal sind sie einfach nur schön kryptisch und ich habe etwas zu rätseln. Und manchmal sind die Sprüche nicht sonderlich originell - haben aber durch die Kombination von Ort und Text einen besonderen Witz.

Ich sage nur:
"Macht kaputt, was euch kaputt macht" - an der Wand einer Suchtklinik.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Werbung

Heute einen Artikel zum Thema der Wahlkampffinanzierung in den USA gelesen. Und war wütend.
 Und nein, mir geht es hier nicht darum, dass eine politische Kultur, in der der Ausgang einer Wahl maßgeblich davon bestimmt wird, wer die reicheren Sponsoren hat, keine ehrliche und fähige Regierung hervorbringen kann.

Noch viel grundlegender - man stelle sich einfach mal alle Personal- und Materialkosten, eben alle Ausgaben vor, die für Werbung getätigt werden. Und nicht nur Wahlkampfwerbung, auch Produktwerbung. Millionen Geldeinheiten, die von Unternehmen ausgegeben werden. In Summe Milliarden.
Und wozu? Um den Umsatz zu steigern. Was zum Großteil im Klartext heißt: eine Nachfrage künstlich generieren oder der Konkurrenz Kunden wegschnappen, nicht weil man durch bessere Qualität überzeugen kann, sondern weil man in den Köpfen der Menschen Assoziationen zwischen bunten Schriftzügen, glücklich grinsenden blonden Familien oder Bikini-Models und dem eigenen Produkt herstellen kann.

Würden, sagen wir mal, alle Fruchtsaft-Hersteller sich darauf einigen können, keine Ausgaben mehr für Werbung zu tätigen, wie viel günstiger könnten sie die Produkte (bei gleichbleibender Qualität) anbieten?

Und besonders lächerlich ist das Konzept von Werbung, wenn die Konkurrenz nur scheinbar vorhanden ist. Als prägnantestes Beispiel fallen mir dazu die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) ein. Es kann der AOK doch egal sein, ob sie der Techniker Krankenkasse oder der BKK ein paar Versicherte abwerben kann - durch den Finanzausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen fließen alle Einnahmen der GKV sowieso in einen "gemeinsamen Topf", aus dem auch alle Ausgaben aller GKV getätigt werden. Aber dennoch wollen mich an Straßenbahnhaltestellen und am Straßenrand vitale junge Menschen (die so schmierig grinsen, dass es ein Wunder ist, dass sie nicht längst vom Plakat geglitten sind) und bunte Buchstaben dazu überreden, zur AOK zu wechseln. Und dann bekomme ich mit, wie im Krankenhaus Stellen gestrichen werden und Patienten bloß keinen Tag zu lange auf Station bleiben dürfen.

Das mag jetzt weit hergeholt klingen, ist es vielleicht auch.
Aber ich sehe keinen gesellschaftlichen Mehrwert in großen, teuren Werbekampagnen.
Wo ich es wiederum anders sehe, ist bei Kampagnen, die der Aufklärung und Information der Bevölkerung dienen.

Was so im Labor rumsteht

Manchmal faszinieren mich meine Kollegen am Institut, wo ich meine Doktorarbeit mache. Und bei manchen Sachen würde ich gerne den Kontext wissen.
Über den internen Mailverteiler kam gestern die Frage: "Wer hat die Langlaufski im Suchtforschungslabor abgestellt und wem gehören sie?"

Samstag, 7. Juli 2012

Blut sehen

Manchmal verwundere ich mich selbst.
Ich habe schon in der Notaufnahme gearbeitet und bei Operationen zugesehen und assistiert. Die Gesamtmenge an Blut, die ich Patienten abgenommen habe, beträgt sicher schon mehrere Liter.
Aber wenn ich die Beschreibung einer Folterszene lese, bei der dem Protagonisten die Nase gebrochen wird, wird mir von den Ausführungen zu seinem Nasenbluten schwummrig und mein Kreislauf verabschiedet sich endgültig.

Samstag, 30. Juni 2012

Lernziele

Was ich in der Woche Praktikum in einer Hausarztpraxis gelernt habe:
  • ich möchte nicht und nimmer nie im ländlichen Raum wohnen und/oder arbeiten
  • ich möchte mich nicht niederlassen und eine eigene Praxis führen
  • ich möchte vor allem keine Hausarztpraxis führen
  • Allgemeinmedizin hat viel mit Placebos und Patienten zum Abwarten und viel Trinken anraten zu tun
  • deutsche Patienten somatisieren (= erleben psychische Probleme als körperliche Symptome) anscheinend alle nur in Rückenschmerzen
  • fast alle Menschen haben Rückenschmerzen und viele sind darüber sehr wehleidig
  • ab 75 haben fast alle unheimliche Probleme beim Laufen und sind herzkrank
  • ich möchte allerspätestens mit 80 Suizid begehen
  • ich kann Esoterik nichts abgewinnen
  • Esoterik kommt bei Patienten im ländlichen Raum sehr gut an
  • bei esoterischen Ärzten gibt es große Vorbehalte gegenüber der Psychiatrie
  • ich kann gut Blut abnehmen
  • ich kann nicht gut Blut abnehmen, wenn mir dabei jemand über die Schulter guckt und mein Vorgehen kritisiert
  • es reicht aus, unkonventionell auszusehen und sich nicht für Fußball zu interessieren, um als sozialinkompetent eingestuft (und entsprechend benotet) zu werden
  • Hausärzte halten sich bei weitem nicht immer an Sicherheitsvorschriften bei Medikamentengabe (spritzen z.B. ein Schmerzmittel in den Muskel, das man eigentlich nur als Tablette geben darf, weil bereits mehrere Menschen nach einer Injektion des Mittels gestorben sind), mit der Begründung: "Das habe ich immer so gemacht und es hilft den Patienten gut. Und mir ist bisher nichts passiert."
  • nur weil ein Arzt einem Patienten gegenüber höflich ist, heißt es nicht, dass er nicht hinter dem Rücken des Patienten auf üble Art und Weise über ihn ablästert
  • man kann als Hausarzt einen fetten BMW fahren und sich dennoch darüber beklagen, dass die Krankenkassen die Ärzte zu schlecht bezahlen
  • habe ich schon erwähnt, dass ich mit Esoterik und Esoterikern nicht zurecht komme?
Was ich in der Woche hätte lernen sollen:
  • Allgemeinmedizin ist total spannend und anspruchsvoll
  • ich möchte unbedingt Hausarzt auf dem Land werden

Dienstag, 26. Juni 2012

Zusammen alt werden

Eine sehr beliebte romantische Vorstellung ist die des gemeinsamen Alterns eines Paares.
Es ist auch in meinen Augen ein durchaus schönes Konzept - schließlich ist es etwas sehr Wertvolles, wenn man einen Menschen, obwohl man ihn schon Jahre bis Jahrzehnte kennt, immer noch ausstehen kann, geschweige denn, wenn man immer noch eine Zuneigung für ihn emfpindet. Und gemeinsame Erfahrungen, die zwei Menschen gesammelt haben, können ihre Beziehung auch durchaus bereichern.
Das alles streite ich gar nicht ab.
Allerdings glaube ich, dass sehr viele Menschen einen sehr verklärten Blick auf den Lebensetwurf "zusammen alt werden" haben.

Sprache

Es gibt eine neurologische Ausfallerscheinung, die meistens Folge eines Schlaganfalls ist (im Sinne, dass der Schlaganfall der häufigste Grund für dieses Symptom ist; glücklicherweise führen bei weitem nicht alle Schlaganfälle dazu) ist die sogenannte Broca-Aphasie.
Eine Aphasie ist eine Sprachstörung, sprich: ein Problem in dem kognitiven Umgang mit dem Medium Sprache (im Gegensatz zu einer Sprechstörung, wo der mechanische Sprechakt gestört ist). Bei der Broca-Aphasie ist das Sprachverständnis nicht beeinträchtigt, lediglich die Sprachproduktion macht den Betroffenen Probleme. In ganz leichten Fällen äußert sich das durch Wortfindungsstörungen oder durch einen sehr abgehackten und agrammatikalischen "Telegrammstil". In sehr schweren Fällen können die Patienten nur noch einzelne Silben oder nur noch einen einzigen Laut repetitiv von sich geben. Im vollen Bewusstsein dessen, dass das, was ihren Mund verlässt, nicht dem entspricht, was sie ausdrücken wollen. Dass ihr Umfeld sie nicht versteht.
Warum schreibe ich das? Weil ich heute einen Patienten gesehen habe, der aufgrund einer Broca-Aphasie nach einem Schlaganfall nur noch drei Worte sagen konnte (aus Datenschutzgründen spezifiziere ich sie hier nicht, es waren aber drei kontextlose Substantive aus dem Alltagswortschatz). Nur noch drei Worte, mit denen sich der ansonsten geistig komplett klare Mann nun über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg mit seinem Umfeld verständigen kann.
Wählt drei zufällige Wörter und stellt euch vor, ihr müsstet nun den Rest eures Lebens mit ihnen auskommen. Tisch-Decke-Apfel. Tisch-Decke? Tisch-Tisch-Tisch!
Und allein bei diesem Gedankenexperiment, bekomme ich das Gefühl, an meiner Sprachlosigkeit zu ersticken.

Montag, 18. Juni 2012

Davonlaufen

Manches an Unmenschlichkeit, das man miterlebt und nicht verhindern kann, hinterlässt ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Schuld und der blinden, ventillosen Wut, das man auch nicht wegbekommt, wenn man sich die Lunge aus dem Leib rennt.

Aber ansonsten mag ich es, direkt nach dem Nachtdient Laufen zu gehen. Alles wirkt sehr surreal und raumzeitlos.