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Mittwoch, 9. Juli 2014

Professionelle Distanz

Ich mag es, Patient*innen zu haben. Ich mag es umso mehr, sympathische Patient*innen zu haben. Und noch mehr, sympathische und intelligente (und oftmals gesitig frühreife) Patient*innen zu haben.

Wo es kippt, ist wenn ich Patient*innn behandeln soll, bei deren Problemen ich eigentlich nur trauig den Kopf schütteln und "Hast recht. Die Welt ist scheiße, ein Großteil der Menschen sind inolerant und oberflächlich und langweilig und dennoch ist man selbst genauso ein Mensch mit denselben Macken und nicht so hochgeistig, wie man es gerne wäre, und verspürt das Bedürfnis nach Gemeinschaft und einfach nur Anerkennung. Du hast es erfasst, viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen, man muss mit dieser Kränkung des eigenen Ego leben, die Zähne zusammenbeißen und fleißig weiterstapfen."

Das mag ich weniger. Das stürzt in Sinnkrisen.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Sowas wie Hirnforschung

1) Man setzt (in Deutschland bisher nur in ersten Studien, in den USA angeblich schon eine ganze Weile) Parvovirus, konkreter einen Stamm dieses Virus, der eine für Ratten oft tödliche Erkrankung verursacht und ein enger Verwandter des Erregers von Ringelröteln ist, ein, um schwere Hirntumoren (z.B. Glioblastome) zu bekämpfen. Eine OP kann es meist nicht ersetzen, aber unterstützend soll es doch die Überlebensrate erhöhen.
Zum Nachlesen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22553327
[woher ich das weiß: einen Patienten, der diese Therapie bei einem Glioblastom bekam, als Sitzwache im gestrigen Nachtdienst betreuen dürfen]

2) So paradox es klingen mag, aber Schlafentzug wird (oft sehr erfolgreich) als Therapie bei Depression (bzw. psychiatrisch korrekt: "depressiven Episoden") eingesetzt. Die stimmungsaufhellende Wirkung hält zwar nicht ewig an, aber reicht dann doch mehrere Tage. Und in Kombi mit Medikamenten und einer anständigen Therapie und als eine Art "Arschtritt" hat es doch oft genug guten Erfolg.
Auch hier zum Nachlesen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12531127
[woher ich das weiß: Psychiatrie-Vorlesungen, freiwillig gelesene Psych-Lehrbücher, Eigenerfahrung aus Nachtdiensten :) ]

Freitag, 24. Mai 2013

Persönlicher Retro-Futurismus

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie ihr euch als Kinder die eigene Zukunft gewünscht habt? Wie ihr euch ausgemalt habt, euer Leben einmal in weiter Ferne, wenn ihr dann endlich "erwachsen" seid, aussehen wird? Was ihr damals angestrebt habt?

Manchmal kann ich das gar nicht mehr.Und das stimmt mich traurig.

Manchmal erinnere ich mich sehr gut daran.Und auch das stimmt mich traurig.

Freitag, 26. April 2013

Patienten

Nachdem sich mein Aushilfsjob in der Methadonambulanz erübrigt hatte (weil die Wochenend-Vergabe in eine kooperierende Praxis ausgelagert wurde), war ich heute zum ersten Mal seit beinahe einem Jahr wieder vor Ort.

Dienstag, 16. April 2013

Gender-Popender

Sensationell! Das dritte Geschlecht wurde gefunden!

Neulich bekomme ich von der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde - ist ein toller Zungenbrecher) eine Email.
Eine Email, die wie folgt anfängt:

"Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Medizinstudierende,"

Ist schon schön zu sehen, dass man unsereins weder als Damen noch als Herren einzukategorisieren weiß.
Dass wir so sehr auf unser akademisches Feld und seine Anforderungen ausgerichtet sind, dass wir vergessen, ob wir Männchen oder Weibchen sind, dass wir  uns in erster Linie als stolze Anwärter unseres Fachs begreifen.

Dann verlange ich aber auch, dass ich mich beim Einwohnermeldeamt mit "Medizinstudierende" als Geschlechtsangabe eintragen lassen darf.

(Und gleich schonmal eine prophylaktische Aussage vorab: ich rege mich nicht darüber auf, dies soll kein Rant oder kein politisch-gesellschaftliches Statement sein. Ich fand schlichtweg und ergreifend die Formulierung amüsant und zu Albernheiten einladend.)

Mittwoch, 18. Juli 2012

Arbeitswelt

Manchmal ärgere ich mich wirklich, dass ich Medizin studiere.
Würde ich jetzt wieder frisch nach dem Abitur dastehen, würde ich Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik studieren.
So viel multidimensionaler und fachübergreifender, mit viel direkterem Kontakt zu dem Menschen. Und auch schlichtweg - viel nettere Kollegen (von meiner Erfahrung her) und nicht so strikt hierarchische Strukturen.

Aber jetzt - nach deutlich mehr als der Hälfte des Studiums - werde ich Medizin auch garantiert nicht hinschmeißen.
Verdammt. Man sollte sich nicht anhand seiner Schulzeit einreden, man wolle nicht mit Menschen zusammenarbeiten, nur um anderthalb Jahre später das komplette Gegenteil davon festzustellen.

So faszinierend Gebiete wie Teilchenphysik und Molekulargenetik sein mögen, für mich bleibt der Mensch ("als solcher"), ob seiner Komplexität, v.a. wenn man ihn eingebunden in sein soziales Gefüge betrachtet, die spannendste Materie.
Und Umgang mit Menschen, auch wenn sie Patienten/Klienten sind, hat dann auch etwas von Schlittschuh-Laufen oder Tanzen: man weiß oft gänzlich intuitiv, was man macht. Und gerade diese Intuitivität von komplexen Abläufen hat einen ganz besonderen Reiz.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Was so im Labor rumsteht

Manchmal faszinieren mich meine Kollegen am Institut, wo ich meine Doktorarbeit mache. Und bei manchen Sachen würde ich gerne den Kontext wissen.
Über den internen Mailverteiler kam gestern die Frage: "Wer hat die Langlaufski im Suchtforschungslabor abgestellt und wem gehören sie?"

Narben

Teil 1 
Manchmal finde ich das Verhalten von Menschen reichlich unreflektiert.

Freitag, 6. Juli 2012

Ich bin mal wieder etwas Urheber


Da ich lange nichts Schreiberisches von mir hier gepostet habe, gibt es jetzt mal wieder etwas.
Diese Einheit Lyrik (das Wort "Gedicht" widerstrebt mir manchmal) entstand vor ziemlich genau zwei Jahren und ist einer meiner persönlichsten Texte.
Und da ich mich mal wieder als Kanzerogen fühle, habe ich mich an seine Existenz erinnert.

Dienstag, 26. Juni 2012

Zusammen alt werden

Eine sehr beliebte romantische Vorstellung ist die des gemeinsamen Alterns eines Paares.
Es ist auch in meinen Augen ein durchaus schönes Konzept - schließlich ist es etwas sehr Wertvolles, wenn man einen Menschen, obwohl man ihn schon Jahre bis Jahrzehnte kennt, immer noch ausstehen kann, geschweige denn, wenn man immer noch eine Zuneigung für ihn emfpindet. Und gemeinsame Erfahrungen, die zwei Menschen gesammelt haben, können ihre Beziehung auch durchaus bereichern.
Das alles streite ich gar nicht ab.
Allerdings glaube ich, dass sehr viele Menschen einen sehr verklärten Blick auf den Lebensetwurf "zusammen alt werden" haben.

Samstag, 9. Juni 2012

Psychopharmaka

Die Idee für diesen Blogpost trage ich schon eine Weile mit mir herum.
Und zwar möchte ich auf einige Aussagen eingehen, die man sehr häufig in Zusammenhang zu Psychopharmaka bzw. zur medikamentösen Therapie psychischer Krankheiten hört.
Und damit meine ich nicht das platte und unsensible "Boah, diese ganze Psychos sind doch eh alles nur Weicheier/Simulanten/Spinner"-Gehabe, das man von manchen Menschen hört.
Die Kommentare, die ich meine, kommen meistens von gebildeten und komplex strukturierten Menschen, die sich auch sonst durch Toleranz und Verständnis für Menschen mit psychiatrischen Diagnosen haben.