Posts mit dem Label Nachtdienst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nachtdienst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 16. Februar 2014

The Art of Doublethink

tl;dr: Wenn eins im Krankenhaus arbeitet, bekommt eins viele heftige Sachen mit. Und zwar immer versehen mit einem Namen, einem Gesicht und oft auch einer Geschichte. Und diese nehmen eins mit. Und trotzdem kann eins parallel dazu lachen und dem ganz normalen Alltagskram nachgehen. Und ja, eins fühlt sich zynisch dabei. Aber diesen Zynismus nimmt eins irgendwie in Kauf, um nicht zusammenzubrechen.

[TW: realistische Darstellung der Arbeit in der Pflege und körperlicher und geistiger Gebrechlichkeit; viel Zynismus]

Mittwoch, 24. Juli 2013

Nimm's mit Humor


Es gibt ja diesen tollen Spruch "Gott, gib mir die Kraft, das zu ändern, was ich ändern kann, die Gelassenheit, das zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann, und die Weisheit dazwischen zu unterscheiden." (oder sinngemäß).

Ich schlage eine Abwandlung dieses Spruchs für Pflegekräfte vor: "Liebes Schicksal/$höhereEntität, gib mir Patienten, die keine Dummheiten bauen, einen kühlen Kopf, um auf Patienten, die doch Dummheiten bauen, in Zaum halten zu können, und Humor, um wenigstens über die Situation lachen zu können, wenn das mit der Schadensbegrenzung nicht klappt."

Ein Patient, der eigentlich nicht alleine zur Toilette laufen sollte, hat es doch getan. Und seine Windelhose im WC versenkt. Und als dann beim Spülen das Wasser nicht ablaufen wollte - richtig: noch 10-20 mal nachgespült. Und mit der Klobürste noch dafür gesorgt, dass alles schön überschwappt.
Ins Zimmer kommen und erstmal knöcheltief in Wasser stehen. Um 3:45 in der Nacht.

Der Patient tat mir auch schon sehr leid, so peinlich, wie ihm die Situation war. Und ich hatte und habe ein schlechtes Gewissen, mich darüber zu amüsieren. Aber irgendwie muss man ja bei Verstand bleiben.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Sowas wie Hirnforschung

1) Man setzt (in Deutschland bisher nur in ersten Studien, in den USA angeblich schon eine ganze Weile) Parvovirus, konkreter einen Stamm dieses Virus, der eine für Ratten oft tödliche Erkrankung verursacht und ein enger Verwandter des Erregers von Ringelröteln ist, ein, um schwere Hirntumoren (z.B. Glioblastome) zu bekämpfen. Eine OP kann es meist nicht ersetzen, aber unterstützend soll es doch die Überlebensrate erhöhen.
Zum Nachlesen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22553327
[woher ich das weiß: einen Patienten, der diese Therapie bei einem Glioblastom bekam, als Sitzwache im gestrigen Nachtdienst betreuen dürfen]

2) So paradox es klingen mag, aber Schlafentzug wird (oft sehr erfolgreich) als Therapie bei Depression (bzw. psychiatrisch korrekt: "depressiven Episoden") eingesetzt. Die stimmungsaufhellende Wirkung hält zwar nicht ewig an, aber reicht dann doch mehrere Tage. Und in Kombi mit Medikamenten und einer anständigen Therapie und als eine Art "Arschtritt" hat es doch oft genug guten Erfolg.
Auch hier zum Nachlesen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12531127
[woher ich das weiß: Psychiatrie-Vorlesungen, freiwillig gelesene Psych-Lehrbücher, Eigenerfahrung aus Nachtdiensten :) ]

Montag, 1. Juli 2013

Perlen der Weisheit

In den letzten zwei Nachtdiensten habe ich viel gelernt.
Und möchte meine neue gefundene Weisheit nun mit euch teilen.

  • Tiere sind gefährlich. Sehr. Es lagen zwei Patienten nach einem Arbeitsunfall auf Station. Die eine wurde von einem Schaf umgerannt. Dem anderen hat ein Ochse ins Gesicht getreten. Beide mit heftiger Jochbein-Fraktur.
  • Wenn ihr im Krankenhaus liegt, seid nett zu Pflegekräften auf Station. Wir haben sonst unsere Methoden, uns zu rächen. Nein, keine Gewalt, keine fiesen Medikamente. Wir sind da viel subtiler. Wir sorgen dann dafür, dass die nervigsten neuaufgenommenen Patienten unbedingt zu euch als Zimmernachbarn kommen.
  • Bei Nasenbluten kommt Blut aus der Nase. Bei starkem Nasenbluten kommt auch noch Blut aus dem Mund. Und bei monströsem Nasenbluten kommen dem Patienten auch noch blutige Tränen aus den Augen. 
    • Im Ernst. Ja, ich habe eine junge Frau Blut weinen gesehen. Ja, es war verstörend.
  • Es ist keine gute Idee, der Pflege Schnapspralinen zu schenken. Das vermittelt anderen Patienten einen falschen Eindruck von den Nachtschwestern.
  • Ein Sandwich-Maker verwandelt alles in eine Party. Oder eine Fressorgie. Meistens beides.
  • Auch wenn man es nicht glaubt und die Empirie oft gänzlich widerspricht: es gibt auch schwer und chronisch kranke Patienten, bei denen man im Krankenhaus tatsächlich eine Besserung beobachten kann, statt ihnen nur beim Dahinsiechen zuzusehen. Und es ist erstaunlich, wie gut das tut, so etwas mitzubekommen.
  • Gespräche im Nachtdienst sind... anders. Und man entdeckt bei seinen Kollegen auf einmal überraschenden Tiefgang.

Dienstag, 16. April 2013

Live aus dem Nachtdienst


Sitzwache bei einem alten Mann, der nach einer Hirn-OP (Probenentnahme bei Verdacht auf einen Hirntumor) desorientiert ist. Und hinter "desorientiert" versteckt sich in diesem Fall "völlig durch den Wind, selbst- und fremdgefährdend und total hyperaktiv". Eigentlich ein trauriger Fall, aber er liefert Gespräche mit einem hohen Situationskomik-Faktor.

Patient: "Wo ist denn die Sonne? Haben Sie sie versteckt?"
Ich: "Nein, Herr [Name], es ist Nacht, sie hat sich selber versteckt."
Patient: "Dann bringen Sie sie wieder her, dass sie an ihrem richtigen Ort ist." [Pause] "Und machen Sie Frieden."

Na da wurde mir mal ein Großprojekt in Auftrag gegeben. Ich bezweifle, dass das zu meinen vertraglichen Arbeitsaufgaben gehört.

Samstag, 8. Dezember 2012

Schweigen im Wald

Ja, ich habe lange nicht mehr geschrieben. Konnte feststellen, dass so ein Studium doch einiges an Zeit in Anspruch nimmt, vor allem kombiniert mit einem Nebenjob und poltischem Engagement und...

Wobei, ich will hier nicht vorjammern, wie viel ich zur Zeit um die Ohren habe, da vieles von meinen Verpflichtung selbst gewählter(/verschuldeter) Natur ist. Ich will auch nicht damit angeben, was ich alles Tolles mache, um anderen ihre eigene Untätigkeit unter die Nase zu reiben. Denn genauso gibt es Menschen, die noch viel mehr machen als ich und nicht damit hausieren gehen. Und ich sehe in der Frage, wie viel man macht, auch keinerlei Werturteil.

Aber... dadurch bin ich die letzten 3 Monate nicht zum Bloggen gekommen. Das wird sich wohl auch bis Anfang Januar nicht ändern.

Aber (die Zweite)... dieser Blog ist nicht beendet oder eingestellt, sondern nur pausiert. Und im Januar, wenn ich Semesterferien und dadurch mehr Zeit habe, geht das Geschreibse wieder los.
Freut euch oder habt Angst, wie ihr wollt.

Sonntag, 5. August 2012

Home, sweet home

Zwischen zwei Nachtdiensten daheim sein, führt zu seltsamen Erkenntnissen.

Home is:
wo es nicht nach Sondenkost stinkt
wo man nicht jeden hereinkommenden nach Allergien, Medikamenten und Vorerkrankungen fragen mus
wo es nicht das Bimmeln der Klingel, sondern das Blinken des ICQ-Fensters ist, das einem Aufmerksamkeit abverlangt
wo der Kühlschrank zwar nicht vor Eis, Vanille-Pudding und kleinen Marmelade-Döschen überquillt, dafür aber auch noch andere Lebensmittel enthält
wo das Kochen von Kaffee nicht zwingend großindustrielle Maßstäbe einnimmt

to be continued

Montag, 18. Juni 2012

Davonlaufen

Manches an Unmenschlichkeit, das man miterlebt und nicht verhindern kann, hinterlässt ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Schuld und der blinden, ventillosen Wut, das man auch nicht wegbekommt, wenn man sich die Lunge aus dem Leib rennt.

Aber ansonsten mag ich es, direkt nach dem Nachtdient Laufen zu gehen. Alles wirkt sehr surreal und raumzeitlos.

Sonntag, 17. Juni 2012

Radio

Ich verstehe ja, Musik hält wach. Und lässt die Zeit schneller vergehen.
Wenn es denn gute ist.

Schlechte Musik um zwei Uhr nachts grenzt schon hart an psychische Folter. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi. Und mein Aggressionspotenzial steigt mit jedem Lied. Die Moderatoren mit ihren pseudo-witzigen Beiträgen geben mir noch den letzten Rest.
Nein, es interessiert mich kein bisschen, dass Lambada 1989 noch als sehr schmutziger Tanz galt! Ich weiß nur, dass mir diese Melodie zum Hals heraushängt.

Lang leben die Raucherpausen und der mp3-Player!

Montag, 11. Juni 2012

Lebenselixier

Es gibt manche Sachen, die verstehe ich nicht.
Eine davon ist entkoffeinierter Kaffee.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Biorhythmus

Vögel, die nachts um halb drei singen, verwirren mich.
Hört auf mir vorzugaukeln, ich hätte bald Feierabend!

Sonntag, 6. Mai 2012

Random

Haben Wale eigentlich Zungen?

Moppelkotze

FDP bekommt unverdient viele Stimmen.
Weniger als eine Woche vor dem Halbmarathon gibt mein großer Zeh den Geist auf.
Statt auf einer Wahlparty abzunerden, werde ich einen Nachtdienst schieben.
Der Nachtdienst wird voraussichtlich langweilig, weil es bei den Patienten wenig zu tun gibt.
Starke Müdigkeit macht Umberto Eco-Lesen wenn nicht unmöglich, dann doch durchaus weniger genussvoll.
Mein aktuellen Schreibprojekt stagniert.
Unsicherheit in Bezug auf Sozialkontakte macht sich mal wieder breit.

Statt was sinnvolles zu machen, jammer ich in meinem Blog rum.

Mit den Worten aus "Die Sendung mit dem Klaus" gesagt: Vooooll Moppelkotze.

Nachtrag: Ach ja, und Ekelwetter war und ist auch noch.

Scared?

Es ist eine schlechte Idee, im Nachtdienst Krimis zu gucken.

Man sitzt so im Stationszimmer da, es läuft Navy CIS - und auf einmal hört man auf dem Gang ein lautes Scheppern. Und dann mache man mal einen kompletten Stationsrundgang.
Alle Geschichten von Junkie-Ärzten, die die Medikamentenschränke plündern, von durchgedrehten Patienten, von rachsüchtigen Angehörigen gehen einem sofort durch den Kopf.

Montag, 30. April 2012

Lebt der noch?

Erst im Nachtdienst lernt man Menschen, die schnarchen oder beim Schlafen anderweitig laut atmen, zu schätzen. Denn wenn man seinen Rundgang durch die Zimmer macht und schon von der Tür aus hört, dass der Patient noch lebt, ist es sehr viel entspannter, als wenn man den Menschen erst anleuchten und mehrere Minuten konzentriert auf den Brustkorb schauen muss.

Samstag, 28. April 2012

Schlaf wird überbewertet

Heute um 9 Uhr aufstehen, eine Stunde rennen gehen, dann mit anderen Piraten Live-Stream vom Bundesparteitag (der Piratenpartei, ach nee...) gucken und grillen, demnächst heimfahren uuuuund - ab in den Nachtdienst! Bis morgen 7 Uhr früh nicht nicht schlafen.

Mittwoch, 14. März 2012

Sitzwachengedanken (Teil 2: Sprachen)

Eine Begebenheit aus meiner Sitzwache, die zwar nicht zum letzten Post passte ich aber der Leserschaft nicht vorenthalten wollte:

Der Patient, auf den ich aufpassen durfte, war 19quietschund20 geboren und hatte einen sehr deutsch klingenden Nachnamen. Auch schien er mich zu verstehen, als ich ihn auf deutsch ansprach und antwortete auch auf deutsch. Soweit alles unspektakulär.

Dann aber wurde er (mal wieder) nicht so bewusstseinsklar und fragte mich - als ich ihm mal wieder den Sauerstoffschlauch richtete -  auf Russisch, was denn los sei. Vor lauter Überraschung und Müdigkeit antwortete ich auch auf Russisch.

Ab dem Zeitpunkt an bestand der Mann auch darauf, mit mir nur noch auf Russisch zu reden. Das war ja auch kein Problem.
Was ich jedoch interessant bis faszinierend fand, war dass der Mann, sobald er anfing Russisch zu reden, ganz anders wirkte, als solange er deutsch geredet hat. So als sei sein gesamter Gesichtsausdruck verändert (von freundlich-verwirrt hin zu gereizt und verzweifelt), als sei er auf einmal ein ganz anderer Mensch.

Was ich mich vor allem frage - liegt es daran, dass bei ihm unterschiedliche Sprachen unterschiedliche Facetten seiner Persönlichkeit zum Vorschein bringen, oder daran, dass die gesprochene Sprache meine Wahrnehmung seiner Person prägt?

Sitzwachengedanken (Teil 1: Form und Inhalt von Literatur)

Von meinem Nachtdienst am Montag (bei Nachtdiensten und Tagesangaben zählt übrigens immer der Tag, an dem man den Dienst antritt) gibt es nicht viel zu berrichten.Unspektakulärer, aber arbeitsreicher Dienst.

Gestern wurde ich jedoch als Sitzwache an eine andere Station verliehen. Dieser Patiente war bettflüchtig und brauchte auch eindeutig eine Sitzwache, was aber nichts daran änderte, dass ich viel Zeit zum Lesen und Denken hatte.

Samstag, 3. März 2012

Politik und Patienten

Vom letzten Nachtdienst gibt es keine witzigen Stories. Es war angenehm stressig, eben soweit immer viel zu tun, dass man wach bleibt, nicht aber, dass man sich total überfordert fühlt.

Dafür stand ich aber mal wieder vor einem ethischen Problem. Bin ich in der Lage, mit einem Patienten genauso respektvoll und unvoreingenommen umzugehen, wenn dieser eine politische Haltung vertritt, die in meinen Augen menschenverachtend ist, oder (vermutlich) Straftaten begangen hat, die in meinen Augen schon "unmenschlich" (auch wenn dieses Adjektiv in dem Kontext ein Widerspruch ist) sind? Was tun, wenn ein Patient bekennender Neonazi ist? Wie mit einem Patienten umgehen, der andeutet, dass er an einem Krieg oder gar einem Völkermord teilgenommen hat?

Gehe ich mit dem Patienten nicht genauso respektvoll um, wie mit allen anderen, bin ich in meinen Augen ein schlechter Arzt und habe in diesem Beruf nichts verloren. Allerdings ist es eher das Gegenteil - es beunruhigt mich, wie leicht es mir dann doch fällt, über diese menschenverachtende Haltung dieser Person hinweg zu sehen und sie mir mit biographischen Gegebenheiten zu erklären. Relativiere ich nicht dadurch meine eigenen politischen Haltungen, meine strikte Ablehnung des Faschismus?

Mittwoch, 29. Februar 2012

Nachtstudent

Nach meiner Job-Bezeichnung gefragt, antworte ich mit "Nachtstudent". Weil ich den Begriff, ja, griffig finde.
Manchmal sind es Sitzwachen wie die letzte Nacht (die übrigens sehr ruhig verlief; der Patient, den ich im Falle einer Panikattacke beruhigen sollte und bei dem ich verhindern sollte, dass er aus dem Bett steigt, schlief wider Erwarten die ganze Nacht durch, ich konnte dementsprechend Camus' "Die Pest" lesen). Meistens bin ich aber auf der Wachstation (man kann es sich als "Intensivstation light" vorstellen) eingesetzt. Gewissermaßen als Mädchen für alles - auf die Klingel gehen, Patienten lagern und waschen helfen, Müll wegbringen, Material aus dem Lager holen, Blut abnehmen. Und ich muss sagen, letzteres macht mir viel mehr Spaß. Einerseits, weil ich das Glück habe, nette Kollegen zu haben, die mich nicht ausbeuten, obwohl ich "nur" eine Hilfskraft bin. Andererseit weil ich mich da mal endlich nützlich fühle. Bei einer Sitzwache, wo ich vielleicht 2 Stunden wirklich eingreifen muss und die restlichen 6 Stunden nur lesen dasitze, habe ich ein schlechtes Gewissen, fürs Lesen bezahlt zu werden.
Und ich habe auch erst richtig begriffen, wie viel Spaß mein Job mir macht, als die Stationsleitung ankündigte, dass ich für den April und Mai Freizeitausgleich zum Abbau für Überstunden geplant habe. Ich muss zugeben, ich werde es vermissen, zwei Monate lang nicht zu arbeiten.