Mittwoch, 9. März 2011

Spiel, Spaß und Spannung - jetzt ganz legal. Und ohne Schoki

Hallo Datenfriedhof namens Internet (mich würde schon interessieren, wie es sich für ein Wesen mit der Fähigkeit, riesige Input-Mengen gleichzeitig zu verarbeiten, anfühlt, grob durch das Internet zu wühlen, durch die vielgeklickten Seiten genauso wie durch Videos mit nur 15 views, verwilderte Blogs, verwahrloste Homepages, die noch in den 90ern HTML-hardkodiert wurden - es hat sicher etwas davon, durch den sich über Jahrzehnte angesammelten Kleinkram auf dem Familiendachboden zu stöbern, nur eben in viel größeren Dimensionen...),

ich kann gerade vermerken, dass es absolut tolle legale Drogen gibt. Beziehungsweise, dass es sich durchaus lohnt, eine vierteljährige Kaffee-Abstinenz einzulegen, um sich dann wieder mit Koffein vollzupumpen.
Die Wirkung ist unbeschreiblich. Und gerade deshalb versuche ich jetzt, sie zu beschreiben.
1-2 Tassen Kaffee in normalstark mögen tatsächlich bloß die Wirkung haben, dass sie schmecken (von angenehm bitter bis "bäh, meine Zunge fällt vor lauter Säure ab!") und wach machen. Aber eine 3/4-Kanne Schwarztee und 3 Becher überstarken Kaffee geben ganz andere Effekte.

Erst kommt die Wachheit. Das Rufen des Bettes wird immer leiser, bis man tatsächlich auf einmal Lust bekommt, seine Zeit mit etwas anderem, als faul rumzuliegen, zu vertreiben.
(Ok, dann kommt die unangenehme Phase des Harndrangs, aufgrund des Trinkens von 2 Litern Flüssigkeit - aber das kennt ja jeder.)
Aber dann, dann merkt man das Koffein wirklich. Unangenehm ist dabei das leichte Zittern und das Herzrasen, das Gefühl einem wird gleich schlecht, weil der Puls zu viel Platz in Brustkorb und Oberbauch einnimmt. Umso angenehmer ist dafür das Kopfrasen. Gedanken beschleunigen sich auf Schallgeschwindigkeit (und damit auch ein Vielfaches der Sprech- und Tippgeschwindigkeit) und purzeln in einer Art ekstatischem Maskenball durchs Bewusstsein.
Blöd wird es, wenn man versucht einen Gedanken oder - noch schlimmer - eine Idee zu greifen, festzuhalten, da sie sich dann kurzerhand einfach in etwas anderes transformiert und einem wieder entweicht. Man muss es nur beherrschen, sich zurückzulehnen und dem farbenfrohen Getummel zuzuschauen, das scheinbar zusammenhangslose Spektakel zu genießen.

Zusammenhangslos? Says who? Wer bestimmt eigentlich, dass die Assoziationskette "Hm, ich bin mal gespannt, ob mein Paket heute ankommt - wenn es endlich ankommt, kann ich auch in aller Ruhe einkaufen gehen - ach, ich muss daran denken, Salz und Öl zu kaufen, das hatte ich ja schon beim letzten Mal vergessen - die letzte Flasche Öl war aber auch schnell aufgebraucht, ich sollte echt mit weniger Öl kochen, ist ja auch schließlich ungesund und ich passe auch kaum noch in die-und-die schicke Jeans" mehr Sinn beinhaltet als das Gewirbel von "oh, eine leere Weinflasche auf dem Tisch, wo sich im Grün der Baum vor dem Fenster spiegelt - hihi, der Baum ist genauso grün wie die Flasche, dafür aber lebendig, obwohl die Flasche glänzt und dadurch fast lebendiger aussieht - hm, ob wir Menschen eigentlich auch nur lebendig wirken und aussehen, aber eigentlich nur Roboter sind und die eigentlichen belebten/beseelten Lebenwesen, ahc-was-weiß-ich, Stein sind? - die Stadt hat doch eh ein Eigenleben, auf das ein mensch kaum Einfluss hat, wir Menschen fleißen nur durch und die Stadt zerkaut uns oder spuckt uns wieder aus, als hätten die Häuserschluchten mehr Macht über unser Schicksal als wir - Schicksal, was für eine blöde Vorstellung, alle Atome wirbeln sich doch in jedem Zeitpunkt neu zusammmen und es ist bloß Zufall, dass wieder etwas ähnliches rauskommt etc."?

Alles ist bunt und irgendwie aufregend, wenn auch der Tatendrang, der einen überkommt, sich anfühlt wie eine Katze, die versucht aus einem zugeknoteten Sack zu entkommen.

Einfach weiter Schwarztee trinken, dass die Gedanken auch gar nicht auf die Idee kommen, abzubremsen. Denn negative Beschleunigung fühlt sich kacke an. Es sei denn man ist im richtigen Bezugsrahmen. Aber das ist man nie, denn ansonsten könnte einem der Bezugsrahmen bzw das, was darin passiert, auch egal sein.

So ähnlich stelle ich mir ADHS-haben vor. Oder auf Koks sein. Pff, wer braucht schon den Stress mit Kokain, die Illegalität, die Risiken und Nebenwirkungen (bei denen dann auch kein Arzt und Apotheker hilft), den Preis, wenn es Koffein gibt.

Werde jetzt etwas schreiben, wenn mir eine Idee lange genug im Kopf bleibt, um den Weg ins Sprachzentrum zu schaffen. Und hoffen, dass ich heute Abend meine eigene Schrift entziffern kann.

Mittwoch, 24. November 2010

Gerechtigkeit - es gibt sie doch!

Schon ein ganzes Weilchen durfte ich mir einiges zu meinem Äußeren anhören. Für die, die mich nicht IRL kennen: ich färbe mir eine intensivgrüne Strähne in die langen, roten Haare, ich habe mehr Metall als Knorpel im rechten Ohr und seit neuerdings auch einen Lippenring. Desweiteren trage ich nur schwarz, renne in Springerstiefeln umher und in den seltenen Fällen, wenn ich mich schminke (was ungefähr der Häufigkeit von guten Ideen aus den Reihen der FDP entspricht), habe ich dunkelschwarze Ringe um die Augen.

Glaubt man meiner Mutter, mache ich mich vorsätzlich hässlich.
Glaubt man meinen Freundinnen und Kommilitonen, bin ich noch unreif und habe meine "Anti-um-jeden-Preis"-Phase noch nicht hinter mir gelassen.

Gestern aber wurde mein Aussehen bei einem Vorstellungsgespräch wie folgt kommentiert: "Sie sehen aus, als würden Sie gerne mal um die Ecke denken und als hätten Sie Lust, sich in eine neue Programmiersprache einzuarbeiten, um zu verstehen was Sie tun und nicht nur ein Kochrezept abzuspulen".

In your face, world!

Dienstag, 23. November 2010

Ökonomie - J'accuse

Ich quäle mich gerade durch zwei Wochen des faszinierenden Moduls "Prävention und Gesundheitsökonomie".
Durchschnittlich zwei Mal pro Vorlesung oder Seminar kriegen wir zu hören, dass es wichtig ist die Gesundheit des Einzelnen zu erhalten oder - im Fall von Krankheit - wiederherzustellen. Wichtig, weil dem Staat und der Wirtschaft ja ansonsten Arbeitsausfälle entstehen. Kein Wort von persönlichem Leid, kein Wort von dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit.

Ich habe Angst. Nicht, weil der Volkswirt, der gerade vorne steht, uns das mit großer Überzeugung verkündet. Ich habe Angst, da ich scheinbar die Einzige aus meinem Kurs aus ca. 50 Studenten bin, bei der diese Betrachtungsweise Wut schürt. Für alle anderen scheint es selbstverständlich zu sein, das Individuum primär als Wirtschaftssubjekt zu betrachten. Recht auf Leben? Gefühle, Bestreben des Einzelnen? Viel zu subkektiv. Nur der wirtschaftliche Wert ist objektiv erfassbar, nur die Ökonomie lügt nicht.
Für mich ist die Ökonomie die menschenverachtendste Disziplin.

Donnerstag, 12. August 2010

Fallhöhe

Ist es nicht erstaunlich, dass je weiter nach oben man es "im Leben" geschafft hat, umso größer die Lust wird, einfach alles hinzuschmeißen.
Nicht, weil es zu anstrengend wird, nicht weil man sich dadurch von sich selbst und seinem eigenen Wesen entfremdet fühlt (obwohl beide Phänomene gerne auch mit dem Erreichen scheinbar erstrebenswerter Ziele einhergehen), nein, einfach um alles, was man mit eigener Kraft und Arbeit, sowie durch nette Gesten von Glück und Schicksal aufgebaut hat, knirschen, klirren, zerspringen zu hören und dann den großen Haufen spitzer Scherben betrachten zu können.
Feste Beziehung, begehrter Studienplatz, geordnete Verhältnisse im Alltagsleben - so schöne Begleitumstände eines Lebens. Was für ein schönes Bauklötzchen-Schloss. Und wie groß die Versuchung, die schön angeordneten Bauklötze einstürzen zu lassen, wild durchzuwirbeln - nur um zu sehen, ob man es kann und was dann passiert.

Sonntag, 11. April 2010

Vom Ich-Verlust

Wenn man Menschen und ihre Rolle in der Gesellschaft betrachtet, so liegt erstmal eine ganz grobe Gleiderung nahe: diejenigen, die sich an die Spielregeln halten und deren Entfaltung sich in den vorgegebenen Rahmen passgenau einfügt, und diejenigen, die in der Gesellschaft nicht funktionieren - Verbrecher, Eigenbrötler, Verrückte. Ist man mit Intelligenz und der Fähigkeit, seine Umwelt zu beobachten, ausgestattet, so fängt man an, die oben genannten Kategorien als zwei Pole zu sehen, zwischen denen es zahlreiche Abstufungen gibt. Aber dennoch geht man davon aus, dass es eine Anzahl an Menschen gibt - und meistens nimmt man auch an, dass dazu die Mehrheit unserer Artgenossen gehört - die von sich aus mit den Regeln der Gesellschaft höchstzufrieden ist, die die allgemeinen Ideale so sehr verinnerlicht haben, dass sie es kaum noch glauben können, sie könnten extrinsischen Ursprungs sein.
So.
Was aber meines Erachtens damit gewissermaßen im Widerspruch steht, ist die Tatsache, dass der Ich-Verlust von allen Menschen unserer Gesellschaft als Kriterium des höchsten Glücks, ja, als das höchste erreichbare Glück überhaupt angesehen wird. Freilich, die Wege zum Ich-Verlust sind die unterschiedlichsten, und hängen stark vom Alter, vom Bildungsstand, von der sozialen Schicht oder auch von den individuellen Wesensmerkmalen der Person ab, aber alles, was wir als Möglichkeit, uns wahrlich frei und glücklich zu fühlen, sehen, ist nichts anderes als ein Abschütteln des Gefühls, dass man ein "Ich" besitzt.
Kling verwirrend? Man führe sich nur die Beispiele vor Augen: der Rausch von Alkohol und anderen Drogen, das Auflösen im Wir-Erlebnis von Familie und Freundschaft, das Adrenalin diverser Sportarten, die Fähigkeit guter Musik (wobei jeder seine eigene Definition hat) alles um einen herum vergessen zu lassen, das Gefühl mit der Natur zu verschmelzen. Wir erleben Glück, egal was wir darunter verstehen, indem wir von unserer Persönlichkeit, von unserem Ich loslassen..
Und um zurück zum Anfang meiner Ausführungen zu kommen, ist man wirklich mit sich und der Welt zufrieden, wenn man eigentlich nur dann glücklich ist, wenn man den Kontakt zu sich selbst und/oder zur Welt verliert? Ist es tatsächlich eine funktionierende Gesellschaft, wenn allen, die zu ihrem "Ich" stehen, Glück verwehrt wird? Oder ist dies bloß einer weiterer Beweis dafür, dass wir Menschen Fehlkonstruktionen sind?
Fragen über Fragen.

Donnerstag, 8. April 2010

Seelischer Masochismus

Willkommen bei Xenias neuen Notizen aus der Tierwelt, heute - ein neuer Beitrag in unserer Serie "Seltsame Verhaltensweisen des homo sapiens".

Gibt man einer Ratte Zuckerstückchen, die mit Brechmittel getränkt ist, so wird sie schon sehr bald eine Aversion gegen Zucker in allen seinen mannigfaltigen Formen entwickeln und die Zuckerstückchen schön in Ruhe lassen.

Der Mensch gilt auch als lernfähiges Wesen mit einem guten Gedächtnis und einem Selbsterhaltungstrieb. Wieso gibt es dann immer wieder Individuen, die mehrmals zu denselben Kunstwerken - oft auch in hoher Dosierung - greifen (oder um die Aussage zu konkretisieren: bestimmte Lider hören oder Gedichte lesen), obwohl sie aus Erfahrung ganz genau wissen, dass sie bei ihnen eine Zustand tiefster Trauer oder Verzweiflung auslösen.

Die für mich plausibelste, wenn auch etwas absurde, Erklärung ist, dass es sich hierbei um eine Art "seelischen Masochismus" handelt, eine Art perversen Zufriedenheitsgewinn aus seelischen Qualen, ein Genießen des eigenen Zustands, wenn man sich am liebsten den Brustkorb aufreißen würde, um die dort scheinbar gefesselten Gefühle zu befreien (die vermutlich wegen Überbevölkerung das Gehirn (genauer die Amygdala), wo sie enstanden sind - Gruß aus dem Neuro-Semester - verlassen haben).

So viel zu diesem Phänomen, bis zur nächsten Folge unserer Serie.
[now listening to: Mantus - Diese Welt ist seelenlos]

Donnerstag, 25. März 2010

Ferien-Ferien-Ferien

Ha. Pflegepraktikum geschafft und jetzt 2 Wochen Ferien. Ok, mittlerweilen nur noch 1,5 Wochen Ferien. Es ist erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht und wie die Anzahl der verbleibenden Tage immer kleiner wird, während die Liste der Sachen, die man sich vorgenommen hat, gleich bleibt.

Naja, heute bin ich über meinen Schatten gesprungen. Es ist erstaunlich, wie viel Überwindung es kostet, Arbeit, die verrichtet werden muss, und wo man auch schon einen Masterplan entwickelt hat, einfach mal aufzuschieben und sich einen freien Tag zu gönnen. Noch erstaunlicher ist es, wie gut es einem tut. In anderen Worten: heute gönn ich mir eine Pause vom Programm-Dokumentationen-Schreiben und mache ... nix.

Und um meinen Blog auch mal zu nutzen, wie die meisten Subkultur-Mädchen ihre Blogs nutzen (yeah, alle Klischees bestätigen), hier mal wieder ein lyrischer Versuch von mir:

Kälte zieht, wie weiße Narben,
Deine blasse Haut hinauf.
Noch siehst du kein Grund zur Sorge,
Doch dein Rücken spürt den Lauf.

Und die Kugel, kalt und schmerzlos,
Starrt dir mitten ins Genick.
Ist es Angst, die dich zurückhält,
Sie zu suchen mit dem Blick?

Denn du lächelst immer weiter,
Und du schaust geradeaus,
Du musst deinen Weg beschreiten,
Denn du wartest auf Applaus,

Denn du wartest auf ein Lächeln,
Das dir sagt: "Du wirst geliebt",
Auf ein Zeichen, dass es besseres,
Als den grauen Alltag gibt.

Du betrittst den roten Teppich,
Die Kulissen fallen um.
Es ist wahr, du kannst nichts ändern.
Ein Knall - und die Welt wird stumm.