Freitag, 8. Juni 2012

Lesung

Ich drücke es mal in einem Haiku aus.

Schlechte Lyrik schmeckt
nach altem Kaugummi und
billigem Parfüm.

Und die Haiku-Form dient parodistischen Zwecken.

Meine Fresse, warum?
Bin ich der einzige Mensch, der nicht versteht, wie man Literatur mit abgestandenen Metaphern, geheuchelter Betroffenheit und gekünstelt-verträumten Verliebtheits-Beschreibungen toll finden kann?

Mittwoch, 6. Juni 2012

Warum ich gegen jegliche Quote bin

Neulich kochte in der Piratenpartei mal wieder die Quotendiskussion auf, am konkreten Beispiel der Frauenquote. Ich habe meine Meinung dazu einigen auch schon dargestellt, wollte sie aber auch mal auf einer abstrakteren Ebene und für alle nachschlagbar festhalten.

Lesekreis

Dank einem Hinweis von C. nehme ich nun seit letzter Woche an einem Lesekreis teil, wo sich einige Studenten mit dem Hauptwerk von Nagarjuna "Die Lehre von der Mitte", einer buddhistisch-philosophischen Schrift, in der es vor allem auch um die Frage nach dem Nichts geht, beschäftigen. Einerseits bin ich in dem Zusammenhang mal wieder sehr von den Grundideen des Buddhismus und auch konkret von der Auslegung durch Nagarjuna begeistert. Andererseits bin ich nicht minder angetan von dem Konzept des "Lesekreises als solchen". Die Möglichkeit, sich in regelmäßigen Abständen mit anderen über den Text zu unterhalten, Fragen und Unsicherheiten zu klären, verschiedene Interpretationen auszudiskutieren, eröffnet einem doch ein viel weiteres Textverständnis.

Und das ist dann auch ein Punkt, an dem ich mich sehr ärgere, ein naturwissenschaftliches Fach - und dazu dann noch eins mit sehr viel Praxisbezug - zu studieren. Das Verständnis von wissenschaftlichem Arbeiten und Erkenntnis in der Medizin mag zwar den Anforderungen von klinischer Forschung gerecht werden, bietet mir aber doch zu wenig kognitiven Auslauf.

Melancholia

Nachdem ich zwei Versuche gemacht hatte, Melancholia im Kino zu sehen (der erste scheiterte daran, dass ich krank wurde, der zweite daran, dass alle Plätze schon 20 Minuten vor Beginn des Films ausverkauft waren), habe ich ihn mir nun auf DVD *hust* angesehen.

Der Film ist... intensiv. Es ist auch einer der wenigen Filme, bei denen mich bombastische Szenen (und musikalische Untermalung mit Wagner macht alles automatisch bombastisch) nicht stören, weil sie nicht übertrieben pathetisch oder effektheischerisch wirken, sondern notwendig erscheinen.
Vor allem den ersten Teil des Films finde ich fabelhaft: die Darstellung von Depression, die sich so ganz und gar nicht mit dem, was man aus anderen Filmen und Medien zu diesem Thema kennt, decken will, aber den Nagel doch so auch den Kopf trifft.
Was die weiteren Teile betrifft, so stellen sie vor allem eine erschreckend nüchterne Analyse der Stadien der Verzweiflung dar. Und das Tolle ist: der Weltuntergang in diesem Film, lässt sich eigentlich durch jedes erdenkbare Ereignis (nicht einmal zwingend negativ) im Leben eines Menschen ersetzen und es ergibt immer noch Sinn.

Was ich auch sehr interessant fand, war es diesen Film mit "Antichrist" zu vergleichen. Denn auch da nähert sich Lars von Trier der Thematik von Depression und analysiert menschliches Verhalten noch viel offensichtlicher in Stufen eines Verarbeitungsprozesses. Aber dies geschieht in beiden Filmen mit einem jeweils so unterschiedlichen Schwerpunkt, dass es nicht im Geringsten abwechslungslos wirkt.

Allerdings bin ich schon sehr auf von Triers nächsten Film gespannt. Denn ich muss gestehen, ich fände es schade, hätte auch dieser die Depression als Kernthema. Das hätte dann schon etwas von einem thematischen Festgefahren-Sein, Lars von Trier nur noch als "der Regisseur, der seine Depressionen auf die Leinwand kotzt".

Obwohl man sich da auch die Frage stellen kann, inwiefern eine eher einseitige inhaltlische Ausrichtung zwingend etwas Negatives sein muss. Monothemathische Autoren, Bands, Regisseure können schließlich auch große Kunst entstehen lassen. Und man könnte sogar ketzerisch die Frage stellen, inwiefern nicht die meisten großen Literaten in ihren berühmten Werken sich sehr stark auf ein Thema oder eine zentrale Fragestellung konzentrierten. Aber das ist eher Stoff für ein Gespräch, denn für einen Blogeintrag.

Welt-Grufti-Treffen

Ich nutze mal die Tatsache, dass sich mein Nachtdienst ruhig gestaltet(*touch wood*), und erzähle vom WGT. Weil es vieles zu erzählen gibt, mache ich es in semi-stichpunktartiger Form.

Bands
Einerseits gab es die, die ich schon vor dem WGT kannte, auf die ich mich wie ein kleines Kind gefreut hatte und die meine Vorfreude auch nicht im Geringsten enttäuscht haben. Diese wären:
  • Henke (sprachlich und in der Bühnenpräsenz unheimlich intensiv)
  • Fliehende Stürme (wunderbar ungesprächig ^^)
  • Adversus (die wunderbar ernste Musik machten, sich selbst aber nicht zu ernst nahmen - und Rosendorn auch den Raum ließen, Kurzgeschichten-Exzerpte vorzutragen)
  • Heppner (ja, etwas sentimentale Musik, aber ich stehe dazu)
  • Arkona (fallen hier etwas aus der Reihe, sind aber (v.a. die Sängerin) abgegangen und haben das Publikum mit dieser Energie angesteckt)
Andererseits - und das ist das Tolle am WGT und auch am Konzept des Pfingstbotens (das Programmheft, äh -buch, wo es zu jeder Band auch eine Beschreibung gibt) - habe ich auch dieses Jahr ein paar Bands für mich entdecken können, die ich vorher entweder nicht kannte (weil sie recht klein und unbekannt sind) oder für die ich mich bisher nicht interessiert hatte. Dazu zählen:
  • Traumtänzer (angenehme Musik, auch wenn die Texte teilweise recht unoriginell ausfallen)
  • Rhombus (toller Goth Rock aus England - sehr zu empfehlen!)
  • Genetiks (eine Mischung aus Wave und Hardcore, machten sich als "Vorband" zu den Fliehenden Stürmen sehr gut)
  • The House of Usher (wieder einmal Goth Rock, aber melancholischer als Rhombus oder auch Sisters of Mercy; höre mich gerade durch die Diskographie)
  • Qntal (die ich bisher komplett unterschätzt hatte; kamen im Centraltheater wunderschön zur Geltung)
Aber das WGT wäre nicht das WGT (sondern ein generisches Festival), gäbe es nur Konzerte und kein
Rahmenprogramm
Da gibt es als Höhepunkte zu nennen:
  •  Ausstellung zweier Künstler im Werk II - der eine Graphiker, mit sehr symbolträchtigen Bildern im Graphic novel-Stil, der andere stellte zahlreiche stark ins Bizarre gehende Plastiken aus Metall in allen denkbaren Formen aus
  • Ausstellung von Stasi-Unterlagen zur Grufti-Szene in der DDR (allein wegen der Schreibweisen: "Gruftys", "Krufties" und "Goortiks" (sic!) sehenswert), wo auch ausschnittsweise der auch ansonsten sehr sehenswerte Defa-Film "Unsere Kinder" gezeigt wurde
  • Stummfilm "Berlin - Sinfonie einer Großstadt", der in Bildgewalt und dem Arbeiten mit Symbolik die meisten heutigen Filme übertrifft, stilecht mit musikalischer Untermalung
  • Vortrag "Genderrollen und Ästhetik in der Heavy Metal Szene" mit anschließender Diskussion. Der Vortrag war spannend, die Diskussionsbeiträge gingen in ihrer Qualität von "oh, eine interessante Sichtweise, muss ich mir noch durch den Kopf gehen lassen" zu "nicht im Ernst, oder?" (Stichwort: "als Frau will man ja einen männlichen Mann, also einen, der eine Waschmaschine reparieren kann")
  • und natürlich: Benecke, der mal wieder durch seine quirlig-ADHSige Art einfach grandios war und nebst dem Darstellen eines wirklich spannenden Kriminalfalls noch Exkurse zu Themen wie "Gerechtigkeitsglaube" hinlegte
Ansonsten - was auch zu jedem Festival dazugehört - Zeltplatz-Rumhängen, Rumalbern (z.B. die Texte aus billigen Tittenheften vorlesen: "die gelbe Frucht ist echt eine Wucht"), Grillen, gute Gespräche führen.

Kam auch dementsprechend so erholt und mit so vielen Schreibideen nach Heidelberg zurück. Und wurde etwas sehr vom Alltagstrott überfahren.

Biorhythmus

Vögel, die nachts um halb drei singen, verwirren mich.
Hört auf mir vorzugaukeln, ich hätte bald Feierabend!

Freitag, 1. Juni 2012

Hiatus

Ja, ich habe eine Weile nicht mehr geschrieben.

Erst gab es seitens eines Piraten-Projekts, das mir sehr am Herzen liegt und wo ich mich auch entsprechend viel einbringe, viel zu tun, dann hielt mich meine Doktorarbeit (genauer gesagt: unzuverlässige Probanden und schwer zu beschaffende standardisierte Fragebögen) auf Trab. Dann war das WGT, wo ich mir den Luxus leisten konnte, 5 Tage lang keinen PC-, geschweige denn Internet-Zugang zu haben (und ja, ich habe es genossen).
Und dann ein ziemlich tiefes Post-Festival-Loch (für die, die so etwas bisher noch nicht erlebt haben: man ist auf einem Festival, genießt jede Sekunde, die Musik, die Menschen, die Stimmung - und kommt dann nach Hause, wo man vom Alltag eingeholt wird und ist erstmal depressiv verstimmt bzw. kann sich zu nichts, und ich meine - gar nichts, aufraffen). Und jetzt geht es wieder mit Doktorarbeit und Piraten-Sachen weiter.
Und parallel zu dem Ganzen, noch reichlich Hirnfick im zwischenmenschlichen Umgang.

Aber, um euch Leser in eurer Neugier anzustacheln und mir selbst auch etwas mehr Selbstdisziplin-Grundlage zu geben, hier eine Liste von Posts, die ich innerhalb der nächsten Woche hier verfassen werde: