Montag, 8. April 2013

Pseudoliterarisches aus der Tiefkühltruhe (Teil 2)


Wie? So:
Den Feuerball am geistlosen Horizont umarmen,
Tanzschritte auf Glatteis-Nebel wagen.
Sich mit Mottenflügelschlägen zur Wehr setzen
gegen alle Einwände der reinen Vernunft.
Die Nacht zum Feindfreund machen,
weil im Dunkeln das Licht lauter lockt.
Als zusammengestaucht-synkopiertes Rhythmusknäuel
den Puls der Zeitphantasie verdichten,
fließend die Sprache des Blutes sprechen.
In Zimmerwürfeln eingesperrte Nachtluft
zum weiten Heimflug ohne Ziel frei lassen
und sich selbst in warmen Melodieströmen auflösen,
als Bewusstseinsbläschen durchs Wasser schwirrend.
Mit zahmen Raubtieraugen und Hunger in der Brust
ein Beuteleben vorbeiziehen lassen, es mit
weichen Fingespitzen zum Aschied streicheln
und rotklaffende Flussbetten hinterlassen.
In die Morgenfinsterniss hineinrennen,
weil man in der kalten Luft das Erwachen schon riecht.
Der Zukunft tröstend ihre Endlichkeit vorhalten,
mit endlich entspannten Lippen durch ein Lächeln hindurch
Worte küssend in die Welt entlassen,
wie Luftballons am flatternden Strick der Erinnerung.
Seine Emotionen sich sammeln lassen, zu einem Tornado,
und auf seinem Rücken durchs Leben reiten,
stets im Auge des Sturms, um freie Sicht zu haben.
Wahrheit in Menschen suchen, nicht ihren Worten.
Wahr? Um zu leben.

Pseudoliterarische Ergüsse (wiederaufgewärmt)


Wie sind wir hergekommen,
den Weg bereits vorweggenommen,
uns verlaufen wollen in
einer Welt, die wir zu gut kennen.
Ungeschriebene Briefe zerrissen,
nie gekannte Menschen vermisst und
auf der Flucht vor dem nächsten Tag
die Uhr angestarrt.

Schwerelos ins Blaue gesprungen
in der Hoffnung auf Bewegung und Schwung,
doch erst ohne Schwingen lernt man
den Unterschied zwischen Fliegen und Schweben.

Die Realität als Konstrukt verlacht und
doch wieder auf der Suche nach einem Dach,
weil es sich auf verbrannter Erde zwar
gut tanzen, aber schlecht schlafen lässt.
Der Welt einen neuen Klang gegeben,
aus Wortwünschen gewoben im Rahmen des Lebens,
die Fäden in der Hand stehen wir nun gebannt
und suchen die passende Frage.

Underneath the veil

Zynismus ist ein zweischneidiges Schwert.
Er zerschlägt die Lächerlichkeit der eigenen Empfindungen, aber er verbrennt auch den Ansatzpunkt für die zwischenmenschliche Menschlichkeit.

Und nächtlicher Frühlingsregen auf der durchnässten Kapuze hört sich... tröstlich an.

Montag, 1. April 2013

"Vom Eise befreit sind Strom und Bäche"

So ein klassischer Osterspaziergang fühlt sich gleich deutlich weniger langweilig und klischeehaft an, wenn man ihn nicht unter strahlender Sonne in der ungestörten Schönheit der Natur abhält, sondern unter düsterem Wolkenhimmel durch ein im Enstehen begriffenes Stadtviertel wandelt, um dann in einer alten, von Pflanzen überwucherten Industrieruine (mit Gleisblick) rumzusitzen.
Auf diese Art und Weise kann sowas sogar so etwas wie Spaß machen.
Denn was zählt, ist ja dieses "Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!" oder?

Freitag, 29. März 2013

Over and over and over. Again.

Es gibt einen nur einen feinen Grat und dennoch einen riesigen Unterschied zwischen Unendlichkeit und Zeitlosigkeit.

Und dieser Unterschied ist ähnlich zu dem, zwischen gleichförmiger Monotonie und trance-artiger Wiederholung.

An dieser Stelle eine musikalische Entdeckung, die ich weiterempfehlen möchte:


Dieses Geständnis war völlig bedeutungslos

Ich bilde mir großartig was darauf ein, unermüdlich und überzeugend und (so scheint es mir zumindest manchmal, auch wenn das wohl reine Hybris ist) originell das enfant terrible, den Nicht-Etablierten, den Rebellen, die Chaotin, die rastlose Seele, der Stagnation so gänzlich verhasst ist, abzugeben.
Mir auf Demos die Kehle heiser zu brüllen, mir auf Konzerten Schultern und Schienbeine wund pogen, nächtelang wach bleiben und viel zu viel trinken und rauchen und mich durch die leeren Straßen der Stadt zu treiben, Filme, Musik und Bücher mögen, die andere als verwirrend-abgefuckte Depri-Scheiße abtun, provokante Sachen, die mal die Grenzen des guten Geschmacks, mal die des Anstandes verletzen zu sagen, schreiben, machen. Es nie lange mit einem Hobby, einer Begeisterung, einem Freundeskreis auszuhalten.
Ja, das ist die gelebte Negation der Spießigkeit, der "Gartenzwerge im Vorgarten, Schaukel für die Kinder hinterm Ein-Familien-Haus"-Welt.

Und ich weiß, viele sehen mein Gehabe nur als Show und mich als das Mittelschichtskind, das am Wochenende den Punk und an Abenden den abgedrehten Intellektuellen mimt, um die eigene Spießigkeit, das eigene Sicherheitsbedürfnis zu überspielen.

Die Wirklichkeit sieht aber noch erbärmlicher aus.
Meine Haltung, mein Verhalten ist keine bewusste Ablehnung, kein mutiges Sich-Positionieren, kein durchdachtes Statement. Es ist ein schlichtes "ich kann nicht anders", ein Unvermögen, Ruhe und Konstanz auszuhalten, ohne wie ein Fisch an Land nach Luft zu schnappen.
Und das macht das Ganze noch viel trivialer.

Donnerstag, 21. März 2013

Biologistische Kackscheiße

Vorlesung. Klinische Genetik. Ein Großteil der Studenten sind im 8. oder 10. Fachsemester. Alle haben mindestens 3,5 Jahre des Medizinstudiums hinter sich.

Es geht um das Ulrich-Turner-Syndrom. Menschen mit diesem Syndrom haben als Geschlechtschromosomen, weder XX (genetisch weiblich) noch XY (genetisch männlich), sondern nur ein einzelnes X-Chromosom (auch X0 geschrieben). Diese Menschen sind von den primären Geschlechtsmerkmalen her biologisch weiblich, oft fällt die Chromosomen-Abweichung erst dann auf, wenn die Pubertät ausbleibt bzw. wenn die Frauen (ein Großteil identifizieren sich - auch nach Diagnosestellung - als Frau) das Ausbleiben der Periode bzw. den unerfüllten Kinderwunsch abklären lassen wollen.

So viel zum Hintergrund.

Und dann fragt eine Studentin: "Ja, aber entwickeln sich die Patienten dann echt, obwohl sie nur ein X-Chromosom haben, als Mädchen? Also auch geistig?"

"Sich geistig als Mädchen entwickeln"?
Und es gab im Hörsaal nicht einmal empörtes Brummen oder amüsiertes Lachen.

Mal im Ernst... Man mag ja darüber, dass es Gender Studies auch als eigenständiges Fach gibt, denken wie man will. Aber ich finde, dass man als Mensch (v.a. wenn man später in einem sozialen Beruf mit tiefgreifendem Einfluss auf das (Privat-)Leben anderer Menschen arbeiten wird) doch mal davon gehört haben sollte, dass das soziale Geschlecht (also Geschlechtsidentität) ein soziales Konstrukt ist. Und dass es keine (und erst recht keine binäre) geschlechtsspezifische "geistige Entwicklung" gibt. Erst recht keine biologisch determinierte.