Die EM kotzt mich an.
Und um nicht hundert Mal erklären zu müssen wieso, schreibe ich es einmal hin.
Erste Klarstellung: mich stört nicht der Fußball. Fußball ist ein toller Sport und ein tolles Spiel (je nach Auslegung) und es macht Spaß, mit ein paar Freunden zu kicken. Ich kann auch verstehen, dass es Spaß macht mitzufiebern. Das Gefühl der kollektiven Anspannung und der Freude ist sehr intensiv und kann schön sein. Ich mag ja schließlich selbst Wahlparties und große Konzerte.
Nein, mich stört die damit verbundene Patriotismus-Welle. Dass auf einmal an jedem fünften Auto Deutschland-Fähnchen baumeln, dass sich Leute die Wangen schwarz-rot-gelb schminken usw.
Zweite Klarstellung: ich unterstelle patriotischen Fußball-Fans keinen Nationalismus (auf jeden Fall nicht pauschal: ein paar Rassisten und Nationalisten werden sicher dabei sein, aber die finden sich in jeder größeren Menschengruppe). Und ich weiß, dass ein Patriot, der "stolz auf sein (Vater-)Land" ist noch lange kein Nazi ist.
Aber ich finde bereits das Konzept des (gemäßigten) Patriotismus ablehnenswert (ich habe lange nach einem passenden Begriff gesucht).
Dritte Klarstellung: ich habe kein Problem mit Deutschland. Ich bin verdammt froh, in diesem Land zu leben und die Staatsbürgerschaft dieses Landes zu haben.
Froh, weil es einerseits ein demokratischer Staat mit einer (relativ) liberal-denkenden Bevölkerung ist. Das bedeutet für mich, dass ich meine Meinung (die oft nicht der der Mehrheit entspricht) frei äußern kann, homosexuell sein könnte, ohne dafür gelyncht zu werden, die Möglichkeit habe, auf politische Prozesse Einfluss zu nehmen usw.
Froh, weil es andererseits ein Land mit einem guten Sozialsystem ist. Das bedeutet für mich, dass ich die notwendige medizinische Versorgung und meine Medikamente fast kostenlos bekomme, dass ich nicht auf der Straße leben und hungern muss, sollte ich nach meinem Studium keinen Job bekommen. Das bedeutet auch, dass diese Grundsicherung auch (fast) allen anderen Menschen hier zusteht, dass ich in meinem Job im Krankenhaus und in meiner zukünftigen Tätigkeit als Ärztin, Menschen auch die Medikamente und Behandlungen verschreiben/anordnen kann, die sie brauchen, ohne vorher abklären zu müssen, ob sie oder ihre Angehörigen reich genug sind, sich diese überhaupt zu leisten.
Deshalb finde ich dieses Land echt toll. Natürlich, in beiden Bereichen gibt es Defizite (Umgang mit Demonstranten und Ausländern, Hartz-IV), aber seien wir mal ehrlich: uns geht es verdammt gut. Und um mich dafür dankbar zu zeigen und dieses System aufrecht zu erhalten, zahle ich gerne und bereitwillig Steuern und Krankenkassenbeiträge und beteilige mich politisch.
Aber ich wäre genau so froh und dankbar, in diesem Land zu leben, würde es Kanada oder Frankreich oder Schweden heißen.
Und außerdem hat dies in meinen Augen nichts mit Stolz zu tun. Es ist ein "sich glücklich Schätzen, dass man hier und nicht in Ghana/Russland/China geboren wurde". Stolz kann ich auf meine eigenen Leistungen sein, wenn ich in einer anspruchsvollen Prüfung oder einem sportlichen Wettbewerb eine gute Leistung erziele, wenn eine renommierte Literaturzeitschrift meine Texte abdruckt, wenn ich über meinen eigenen Schatten springen und meine Schüchternheit oder Impulsivität überwinden kann, um so zu handeln, wie ich es für ethisch richtig halte.
Aber was habe ich oder was hat der durchschnittliche Fahnen-schwenkende EM-Fußball-Fan damit zu tun, dass Goethe oder Beethoven oder Benz oder Willy Brandt oder Luther oder diverse deutsche Nationalmannschaften große Leistungen erbracht haben? Rein gar nichts.
Wieso also darauf stolz sein?
Und um nicht hundert Mal erklären zu müssen wieso, schreibe ich es einmal hin.
Erste Klarstellung: mich stört nicht der Fußball. Fußball ist ein toller Sport und ein tolles Spiel (je nach Auslegung) und es macht Spaß, mit ein paar Freunden zu kicken. Ich kann auch verstehen, dass es Spaß macht mitzufiebern. Das Gefühl der kollektiven Anspannung und der Freude ist sehr intensiv und kann schön sein. Ich mag ja schließlich selbst Wahlparties und große Konzerte.
Nein, mich stört die damit verbundene Patriotismus-Welle. Dass auf einmal an jedem fünften Auto Deutschland-Fähnchen baumeln, dass sich Leute die Wangen schwarz-rot-gelb schminken usw.
Zweite Klarstellung: ich unterstelle patriotischen Fußball-Fans keinen Nationalismus (auf jeden Fall nicht pauschal: ein paar Rassisten und Nationalisten werden sicher dabei sein, aber die finden sich in jeder größeren Menschengruppe). Und ich weiß, dass ein Patriot, der "stolz auf sein (Vater-)Land" ist noch lange kein Nazi ist.
Aber ich finde bereits das Konzept des (gemäßigten) Patriotismus ablehnenswert (ich habe lange nach einem passenden Begriff gesucht).
Dritte Klarstellung: ich habe kein Problem mit Deutschland. Ich bin verdammt froh, in diesem Land zu leben und die Staatsbürgerschaft dieses Landes zu haben.
Froh, weil es einerseits ein demokratischer Staat mit einer (relativ) liberal-denkenden Bevölkerung ist. Das bedeutet für mich, dass ich meine Meinung (die oft nicht der der Mehrheit entspricht) frei äußern kann, homosexuell sein könnte, ohne dafür gelyncht zu werden, die Möglichkeit habe, auf politische Prozesse Einfluss zu nehmen usw.
Froh, weil es andererseits ein Land mit einem guten Sozialsystem ist. Das bedeutet für mich, dass ich die notwendige medizinische Versorgung und meine Medikamente fast kostenlos bekomme, dass ich nicht auf der Straße leben und hungern muss, sollte ich nach meinem Studium keinen Job bekommen. Das bedeutet auch, dass diese Grundsicherung auch (fast) allen anderen Menschen hier zusteht, dass ich in meinem Job im Krankenhaus und in meiner zukünftigen Tätigkeit als Ärztin, Menschen auch die Medikamente und Behandlungen verschreiben/anordnen kann, die sie brauchen, ohne vorher abklären zu müssen, ob sie oder ihre Angehörigen reich genug sind, sich diese überhaupt zu leisten.
Deshalb finde ich dieses Land echt toll. Natürlich, in beiden Bereichen gibt es Defizite (Umgang mit Demonstranten und Ausländern, Hartz-IV), aber seien wir mal ehrlich: uns geht es verdammt gut. Und um mich dafür dankbar zu zeigen und dieses System aufrecht zu erhalten, zahle ich gerne und bereitwillig Steuern und Krankenkassenbeiträge und beteilige mich politisch.
Aber ich wäre genau so froh und dankbar, in diesem Land zu leben, würde es Kanada oder Frankreich oder Schweden heißen.
Und außerdem hat dies in meinen Augen nichts mit Stolz zu tun. Es ist ein "sich glücklich Schätzen, dass man hier und nicht in Ghana/Russland/China geboren wurde". Stolz kann ich auf meine eigenen Leistungen sein, wenn ich in einer anspruchsvollen Prüfung oder einem sportlichen Wettbewerb eine gute Leistung erziele, wenn eine renommierte Literaturzeitschrift meine Texte abdruckt, wenn ich über meinen eigenen Schatten springen und meine Schüchternheit oder Impulsivität überwinden kann, um so zu handeln, wie ich es für ethisch richtig halte.
Aber was habe ich oder was hat der durchschnittliche Fahnen-schwenkende EM-Fußball-Fan damit zu tun, dass Goethe oder Beethoven oder Benz oder Willy Brandt oder Luther oder diverse deutsche Nationalmannschaften große Leistungen erbracht haben? Rein gar nichts.
Wieso also darauf stolz sein?
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